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Samuel Kienast

Predigt zum Allianzfest 2017 - Wie steht's um die Familie? - Eph 4,1-6

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Zum Anlass des 500-Jahre-Jubiläums der Reformation feierten wir einen Allianzgottesdienst in der Altstadt von Frauenfeld mit den Katholischen Christen als Gästen. Hier die Predigt von Pfr. Samuel Kienast:
Samuel Kienast,
Eph 4,1-6 (Joh 13,35 - Joh. 14,6) - Predigt zur Reformation am Allianzfest - August 2017

Liebi Schwöschtere und Brüedere im Glaube a Jesus Christus,

„Schwöstere und Brüedere“ – wie gaht’s ihne, wänn si hüt am Morge eso aagredt werded? Lueged si sich doch emal churz ume: Sitzed da ihri Schwöschtere und Brüedere? Lueged si aber nöd nu die aa, wo grad näbed iihne sitzed – au die, ganz uf de andere Siite. Winket sii sich ruhig zue, wenn sii öpper känned. Villicht entdecked si aber au der eint oder ander, wo si ganz froh sind, dass echli Distanz zwüsched ihne isch. „Brüeder“ oder „Schwöschter“ isch dänn villicht doch echli e nöchi und ängi Bezeichnig und nöd eso passend...

Während öisne Ferie in England bin ich im ene Restaurant für d’Bstellig aagstande und won ich a d’Reihe cho bin, da seit die älteri Frau a de Kasse zu mir: „How can I help you, Sweetie?“ – „Was chan ich für dich tue, Süesse?“. Na ja, erstuunt hät mich die Aared ja nöd würklich, bi miim Body und miim Ussee. Aber erstuunt hät mich, dass sie au de nächscht und de übernächscht „Sweetie“ gnännt hät.

Liebi Schwöschtere und Brüedere im Glaube a Jesus Christus. Villicht isch ja die Aared au eifach so als frommi Floskle gmeint, wo nöd vil mit de Realität z’tue hät...?

Ich han die Aareed allerdings ganz bewusst gwählt, well ich bin überzüügt, dass öises gmeinsame Fiire hüt öppis zentrals vo öisere Beruefig als Chrischte zum Usdruck bring – als Brüedere und Schwöschtere im Glaube a Jesus ebe.

Johannesevangelium 13,35:
Jesus seit im Johannesevangelium: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Und de Paulus im Epheserbrief:
Epheserbrief 4,1.2b:
1 So ermahne ich euch nun..., dass ihr der Berufung würdig lebt ... : Ertragt einer den andern in Liebe. (Rev Lutherübersetzung, 2017)

Drum ganz bewusst: Liebi Schwöschtere und Brüedere im Glaube a Jesus Christus,
Vor 500 Jahr hät öis d’Reformation verschiideni Errungeschafte bracht, wo mir hüt alli wertschätzed und froh drüber sind. 1) Sie hät d’Bible ganz neu entdeckt und freigleit als Schatz, wo jedem zuegänglich sött sii. Jede Christ dörf und söll i de Bible läse. Mir alli sölled öis Gedanke drüber mache, was es bedütet, dBible als Richtschnuer für öises Läbe und Handle ernst z’nee. Und jede söll persönlich Gottes Stimm im biblische „Wort Gottes“ zu sich rede laa.
2) D’Reformation hät s’Evangelium wiider i sZentrum gstellt. D’Reformatore sind mit grossem persönlichem Iisatz dafür iigstande, dass es im Christliche Glaube nöd um Richtum und Macht gaht, sondern um es Läbe wo vom Glaube an lebändige und uferstandene Jesus Christus inspiriert und erfüllt isch. Es gaht um Erlösig us Gnad und liebevolli Solidarität mit andere, bsunders de Schwache.
3) Und sii hät öis im Vertroue uf Gott grossi Freiheit bracht. Meinigsfreiheit, Glaubensfreiheit. DFreiheit vom Läbe us de Gnad – im Wüsse, dass Christus au für miini Schuld und Unzuelänglichkeit gstorbe isch.

Aber dRefromation hät au vil Leid bracht. 500 Jaahr Reformation heisst leider au 500 Jahr Striit und Spaltig vo de Chile und de chrischtliche Gmeinschafte. Nöd nur Trännig i Evangelischi und Katholischi Chrischte. Nei, au di Evanglische unter sich händ sich zerstritte und i verschidenschti Chilene und Gmeinschafte ufgsplitteret. Hüt händ mer wältwiit rund 50'000 unterschiedlichi Chile und Konfessione. 500 Jahr Reformation heisst leider au 500 Jahr Striit und Krach.

Da sind mer als Chrischte halt doch e richtigi Familie: Unter Gschwüschterti isch es doch au immer wiider Realität, dass jede meint, er chöme z’churz und heb immer rächt... Debii sinds ja d’Eltere, wo immer rächt händ. Ich bring jetzt kei Bispiil us öisem Familiealltagt – well mir natürlich die einzig Familie sind, wo’s ganz andersch lauft. Bi öis dehei sind immer alli friidlich, liebevoll und grosszügig mitenand...

Defür en Episode us de Chilegschicht vo England: I London gits e kuriosi Gschicht us de Ziit vo de Königin Maria Tudor, wo churz nach de Reformation wiider alles rückgängig gmacht hät. Eis Problem debii sind di verhüratete Priester gsii – wo jetzt wiider ohni Frau heted sölle läbe. Vom Pfarrer vo St.Nicolas wird brichtet, dass er offesichtlich nöd eso glücklich mit siinere Frau gsii isch. Drum hät er d Gunscht vo de Stund gnutzt und siini Frau für es paar Pennies an en Metzgermeister verchauft...

So gäbig und gwünnbringend wird mer siini Familie meischtens nöd los. Au wänn mängi Gwschüsterti villicht zu gwüsse Ziite nöd ganz abgneigt weered ihre Brüeder oder ihri Schwöster gäge en Ufbesserig vom Sackgäld abzgee...
Aber: Gschwüschterti ghöred zäme. Au wänn si nöd immer Fröid anenand händ. Au wänn si nüme mitenand reded. Si händ de gliich Nachname, si ghöred zur gliiche Familie.

Liebi Schwöschtere und Brüedere us de verschiidene Chilene und Gmeinschafte da i Frauefäld,
Mir ghöred au zäme. Trotz allem. Trotz 500 Jahr Spaltig. Trotz unterschiidliche Meinige zu wichtige Frage. Well mir träged de glich Nachname: Mer alli sind Chrischte. Mänsche, wo Jesus Christus als Herr und Erlöser nachfolged und ihres Läbe a iihm usrichted.

Ich lise de ganzi Bibeltegscht us Epheser 4,1-6:
1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid 2in aller Demut und Sanftmut, in Geduld: Ertragt einer den andern in Liebe 3 und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens:
4 ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; 5ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; 6ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

(Rev Lutherübersetzung, 2017)

Liebi Brüedere und Schwöschtere,
Familie sii isch e grossi Useforderig. Ussert de Eltere hät sich ja niemmer chöne uussueche, mit wem er wett unter eim Dach zämeläbe – wer de gliich Nachname treit. Und jetzt muesch mit dim Brüeder, de Schwöschter, de Eltere zäme de Alltag bestriite und sogar na zäme i d’Ferie...! Obwohl si mängisch so total näb de Schue sind, piinlich, ätzend und störend... I de meischte Familie chas öppe ganz schön krache und d’Fätze flüge.
Aber Familie isch au genial: Es sind die Mänsche, wo du eifach voll und ganz und bedingigslos dezueghörsch. Die wo dich erträged und ushalted au wänn du sälber usnahmswiis au mal echli luunisch und ätzend druf bisch. Die wo dich es Läbe lang begleited und sich für dich interessiered. D’Familie unterstützt dich und fröit sich mit dir mit wänn öppis glunge isch. Zäme chan mer öppis erläbe, zäme spiile, zäme lache...

Liebi Brüedere und Schwöschtere im Glaube a Jesus Christus,
I de Chilefamilie vo Jesus Christus häts i d Reformation gwaltig gchlöpft. D’Chile isch im ene grosse und au bluetige Striit usenandbroche wo bis hüt immer wiider zspüre isch. Und wie i jedere Familie gits bis hüt au immer wiider nöii Gründ und Ursache für Differenze und Konflikt. Mer sind halt nöd alli gliich...! Und trotzdem isch und bliibed alli Chrischte mitenand Gottes Familie uf dere Erde. Töchtere und Söhn vom eine Gott und Vatter. De Paulus schriibt: „ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“
Aber wänn Familie funktioniert, dänn isch das öppis vom Schönschte und Genialschte, wo s’git uf dere Erde. Und gnauso isch es eifach genial, wänn mer im ene Mitchrischt wo i viilem ganz andersch isch und dänkt, de gliich Herr und Vatter entdecked.

Ich erinnere mich a Chrischte i Rumänie mit ihrer total andere Gottesdienschtform: D’Fraue mit Chopftuech und lange Röck uf de einte Siite vo de Chile – d’Männer uf de andere. Ellelangi Gottesdienscht mit ellelange Gebätsziite im Staa. D’Lieder mit mind. 35 Strofe uf emene Harmonium begleitet... Und dänn stönd mer im Garte vom ärmliche Buurehuus vo einere vo de Familie us dere Chile und singed zäme Lieder, wo mer beidi känned – sii uf Rumänisch, mir uf Dütsch und bätted für enand. Plötzlich sind mer nüme fremd – mehr ghöred zäme. Mer händ de gliich Vatter im Himmel.

Oder in Afrika uf öisere Veranda mit de wunderbare Uussicht uf de Viktoriasee. Ich singe mit minere Ukulele moderni Worship-Songs. Uf eimal singt uf de Nachbarveranda miini afrikanischi Nachbarin uf Kisuaheli mit. I ihrer Chile isch es fascht nöd zum uushalte für mich – so luut, dass d’SUVA sicher grad en Herzinfarkt übercho hät und en Predigtton, wo me gschroue als gredt isch... Als Chilekafi hets a brateni Geiss gee... Aber bim gmeinsame Lobe uf öisne trännte Nachbarverandas sind mer eifach verbunde gsii – de gliich Vatter im Himmel.

Die 4 „Soli“ der Reformation als gemeinsame Grundlage
Es isch ja nöd eso, dass d’Reformation öis nur trännt. Di wichtigschte Aaligge vo de Reformatore träged hüt di allermeischte Chilene und Gmeinschafte uf dere Wält mit. Nämmed mer zum Bisipiil die sogenannte „4 solai“ vom Martin Luther. „Soli“ heisst ‚allein’, oder ‚nur’ uf latinisch. Die 4 Begriff fassed pointiert zäme, um was es im Glaube a Jesus Christus gaht:

1) Nur Christus: Jesus Christus isch di ultimativi Offebaarig vo Gott. Niene suscht chönd mer Gott eso dütlich erkänne wie i siim Läbe, siine Wort, siim Sterbe und siinere Uferstehig. Er isch d’Brugg zwüsched Gott und de Mänsche, er isch öise Retter und Heiland, de Sieger über de Tod und wo Tür uftuet zum ewige Läbe. I de Bezeihig zu ihm finded mer zrugg zu Gott.
2) Nur dBibel: Trotz allne unterschiedliche Uslegige und Meinige über dBible isch und bliibt sii s’verbindliche und lebändige Wort Gottes. Si isch d’Grundlag vo öisem Rede über Gott und de Glaube. Mir dörfed si i ihrer ganze Viilfalt läse und studiere. Au wänn mer wüssed, dass mer aflällig sind für alli mögliche Irrtümer. Aber im Vertroue, dass Gottes Geist öis debii leitet und begleitet.
3) Nur de Glaube: Es gaht letztlich bim Christetum nöd um dogmatischi Wahrete, sondern um d’Beziehig zu Gott dur Jesus Christus. Glaube heisst, Gott i allne Läbeslage z’vertroue, iihm naazfolge und öises Läbe a iihm uszrichte.
4) Nur Gnad: DGnad isch s gröschte Wunder vo öisem Glaube. Si isch de unfassbar Zuespruch vo Gottes Liebi wo grösser und wiiter isch, als alles, was mir öis vorstelle chönd. Gottes Gnad bedütet ganz konkret, dass jede vo öis jederziit zu Gott umchere chan und Vergäbig vo ihm empfangt - ohni Gägeläischtig, unverdient. Als Gschänk vo Gottes Liebi zu öis Mänsche. Die Gnad söll im Läbe und Fiire vo öis Chrischte uflüüchte und dütlich werde.

Einheit in der Verschiedenheit
Liebe Schwöschtere und Brüedere im Glaube a Jesus Chrischtus,
Im Grund verbindet öis doch viil mee, als öis trännt:
 "Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen."

Klar sind mer unterschiidlich, aber das isch au guet so. Grad öisi Verschiedeheit isch i de hütige, pluralistische Gsellschaft e grossi Chance. Unterschiedlichi Mänsche bruched unterschiedlichi Zuegäng zu Gott. Als unterschiedlichi Chile mit vielfältige Chileforme chönd mer viil mee Mänsche aaspräche, als wänn mer alli glich weered. I dem Sinn müessted mer eigentlich defür bätte, dass na mee andersartigi Chilene entstönd, wo anderi Mänsche aaspräched...

Und d’Vielfalt vo de Chile- und Glaubensforme chan au miin eigete Glaube usefordere, riif mache und beriichere. Miini Glaubensgschwüschterti gänd mir immer wiider d’Glägeheit gnädig z’sii und au sälber Gnad und Vergäbig z’erfahre. Si erwiitered miin Horizont und zeiged mir nöis devo, wie Gott isch und wie mer ihm au chan naachfolge.

I öisne Englandferie händ mer en wiit entfernte Unkle in Ängland bsuecht: 86-jährig, ehemalige Fallschirmspringer vo de britische Armee, liideschaftliche BREXIT-Befürworter mit schwarzem, britischem Humor wie us em Bilderbuech. Er hät öis is beschte Hotel vo Bradford gfüehrt, wo angeblich en Vorfahre vo öis Manager gsii isch und exklusiv für öis di gschlosseni Bar ufgschlosse umd öis di coole Wandbilder z’zeige... De Taag, wo mer mit ihm in Yorkshire umezoge sind isch es Highlight vo de Ferie gsii und de kuriosi, schrägi, britischi Unkle i öisere Familie legendär. Wie cool chan Familie sii.

Liebi Schwöschtere und Brüedere im Glaube a Jesus Chrischtus,
S’hütige Allianzfescht isch e grandiosi Glägeheit öisi Chrischtefamilie zfiire, öisi Beziehige zpfläge und di coole, schräge Unkle und Tantene, Cousine und Cousäns i öisere grosse Familie känne zlerne.
500 Jahr nach de Reformation fiired mer, dass mer de gliich Vatter im Himmel händ und em gliiche Herr und Brüeder Jesus Christus naafolged. Trotz allne Kämpf und Kräch, Diskussione und Unterschied... – Mer sind und bliibed Gottes Familie uf dere Erde:  ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Das Fäscht isch kän Familieschluuch hüt. Es isch es sichtbars Zeiche, dass Gott läbt und siini Liebi und Gnaad erfahrbar isch uf dere Erde. Je unterschiedlicher mir sind, desto dütlicher wird i öisere Gmeinschaft Gottes Liebi. Öises hütig gmeinsame Fiire macht Christus und siis Herzesaaligge i Frauefäld sichtbar:
Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Joh.13,35)
Halleluja, Amen
Bereitgestellt: 15.08.2017      
aktualisiert mit kirchenweb.ch