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Hansruedi Vetsch

Erkennt ihr?s denn nicht?

Jahreslosung 2007: Erkennt ihr’s denn nicht? (Foto: Hansruedi Vetsch)

Jahreslosung 2007: Erkennt ihr’s denn nicht? (Foto: Hansruedi Vetsch)

Für das neue Jahr wünschen wir Ihnen die Erkenntnis, dass Gott am Werk ist und auch in Ihrem Leben erfahrbar und spürbar wird.
Hansruedi Vetsch,
Liebe Gemeindeglieder

Der Jahreswechsel ist die Zeit der Standortbestimmung. Firmenbilanzen werden analysiert und Ziele überprüft. Auch im persönlichen Bereich fragen wir uns: Was war im vergangenen Jahr möglich, worin konnte ich persönlich reifen? Dabei stellen wir wohl auch schmerzlich fest, dass Etliches nicht möglich war und auch einige Ziele nicht realisiert werden konnten.

Jahreswechsel ist auch die Zeit der neuen und guten Vorsätze. Doch was wird dann daraus werden?
Die Jahreslosung 2007 weist uns auf eine offene Zukunft hin: Siehe, ich will ein Neues schaffen; jetzt wächst es auf, erkennt ihr?s denn nicht? (Jes 43,19)
Jesaja gibt diese Botschaft Gottes dem Volk Israel in einer ausweglosen Situation weiter: Israel wurde von den Babylonier besiegt, das Königtum ausgelöscht (dramatisch zu lesen am Ende von 2. Könige) und grosse Teile der Bevölkerung ins Exil nach Babylon verschleppt.
Gerade in diese Zeit und zu diesen Menschen spricht Gott: ?Siehe, ich will ein Neues schaffen.?
Gott selber schafft hier etwas Neues, nicht wir Menschen ? auch das Auf-wachsen geschieht ohne unser dazutun. Erkennen wir es nicht? Das wäre unsere Aufgabe: Gottes Tun wahrzunehmen.
Aus dieser Perspektive können wir die Fragen zum Jahreswechsel ganz anders stellen:
Wo hat Gott im letzten Jahr Neues geschaffen, das jetzt aufwächst? Womöglich habe ich das bis jetzt gar nicht erkannt. In dem wir uns ständig nach unseren Massstäben messen, vergessen wir mit Gottes Gegenwart zu rechnen.

Die Jahreslosung ist eingebettet in einem interessanten Zusammenhang: ?Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!? (V18) Das ist ein tröstlicher Zuspruch zum Jahreswechsel. Wie oft bin ich doch gefangen mit alldem, was ich erlebt habe? Jetzt darf ich das auch ablegen. Damit bleibt das was passiert ist, einen Teil von mir, aber es soll mich nicht mehr hindern, mich auf das Neue einzulassen.

Das Neue? Der Prophet Jesaja fährt fort: ?Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Ein-öde.? (V19.b)
Gott will dass unser Leben gelingen kann. Es soll nicht dabei bleiben, dass das Leben wie eine Wüste ist, dass alle Hoffnung in der Einöde verdorrt. Das Lebensfeindliche, die Lebenswüste wird gangbar werden: Gott selber macht uns einen Weg, selbst durch schwierigste Umstände hindurch. Die Einöde, in der alle Lebenslust vertrocknet ist, wird zu fruchtbarem Land und Wasserströme werden uns Kraft geben, so dass unser Leben neu blühen kann.

Diese Vision hat Jesaja nicht nur dem bedrängten Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft über-bracht, sondern durch alle Generationen hindurch auch uns. ?Erkennt ihr ?s denn nicht??
Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen die Erkenntnis, dass Gott am Werk ist und auch in Ihrem Leben erfahrbar und spürbar wird.

Hansruedi Vetsch, Pfarrer
Bereitgestellt: 01.01.2007      
aktualisiert mit kirchenweb.ch