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Andreas Bänziger

Editorial November-Kirchenbote

Lazarus —  Ikone<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-frauenfeld.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>203</div><div class='bid' style='display:none;'>840</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Lazarus: Ikone

Ewigkeitssonntag

Am Sonntag, den 26. November, feiern wir den Ewigkeitssonntag – den letzten Sonntag im Kirchenjahr. In der Kirche Oberkirch gedenken wir in einem speziellen Gottesdienst der in diesem Jahr verstorbenen Mitmenschen.
Andreas Winkler,
„Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, aber ich will hingehen und ihn aufwecken!“ (Johannes 11 Vers 11). Eine etwas absurde Idee, die Jesus seinen Jüngern auftischt, als er hört, dass sein Freund Lazarus schwer krank ist. Oder wie würden wir reagieren, wenn Jesus heute bei uns wäre? Würden wir vertrauen oder das vorausgesagte Wunder als Scharlatanerie abtun?
Ich selbst musste noch keine nahen Angehörigen zu Grabe tragen und kann den Schmerz über den Verlust von Eltern, Ehepartnern, Geschwistern, eigenen Kindern oder lieben Freunden nur erahnen. Sicher fühlt man sich sehr verlassen und kann es kaum fassen: Ich höre heute noch das Lied des Saxophonisten, der beim Tod einer Kollegin in die Stille der Kirche hinein den Gospel „Sometimes I feel like a motherless child“ spielte (manchmal fühle ich mich wie ein mutterloses Kind). Diese „Verlassenheit“ ist aber nicht nur im Verlust eines geliebten Menschen begründet. Denn im Alltag verdrängen wir nichts mehr, als unsere eigene Endlichkeit – den Tod – mit Arbeit, Familie, Hobby, unzähligen Terminen und Aktivitäten. So dass wir unfähig werden, selbst mit einem Todesfall umzugehen oder auf eine trauernde Person zuzugehen.

Als Jesus ins Dorf des Lazarus kommt, läuft Marta ihm entgegen und sagt: „Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben“ (Vers 21). In dieser Aussage schwingt der tiefe Glaube mit, dass Jesus hätte helfen können, aber auch der Vorwurf, warum er nicht da war, als sie ihn brauchte. Es ist die „Warum-Frage“: Warum war ich nicht dort? Warum habe ich nicht dies oder jenes gemacht? Hätte ich nur … Doch diese Frage knechtet uns. Sie lässt uns nicht los und hindert uns daran, den Weg im Leben weiter zu gehen.

Und zum Schluss das Undenkbare: Der Grabstein wird weggerollt und Jesus ruft laut: „Lazarus, komm heraus!“ Und Lazarus kommt heraus (Vers 43 und 44). Auch wenn wir heute keine solche Auferstehung direkt miterleben und unsere Angehörigen für unsere Augen verstorben bleiben, dürfen wir an diesem Beispiel doch Gewissheit in die Auferstehung haben. So wie Jesus Marta in ihrer Trauer versichernd erklärte: „Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer mir vertraut, der wird leben, selbst wenn er stirbt.“ (Vers 25).

Der Ewigkeitssonntag gibt uns erneut Gelegenheit, uns mit der eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen und unserer verstorbenen Mitmenschen zu gedenken.
Bereitgestellt: 01.11.2006      
aktualisiert mit kirchenweb.ch