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Andreas Bänziger

Reiseeindrücke aus Rumänien

Rumänienreise —  Gruppenbild der Reiseteilnehmenden<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-frauenfeld.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>200</div><div class='bid' style='display:none;'>780</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Rumänienreise: Gruppenbild der Reiseteilnehmenden

Hanny und Wilfried Bührer, Annelies Dumelin, Dora Leuthold, Christoph Naegeli,
23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, grösstenteils aus unserer Gemeinde, liessen sich begeis-tern für eine zehntägige Reise nach Rumänien. Die ersten fünf Nächte verbrachten wir im Jugendzentrum unserer Partnergemeinde Ilieni. Exkursionen, Besichtigungen und Begegnun-gen mit der einheimisschen Bevölkerung waren angesagt. Hernach ging’s Richtung Klausen-burg und zu den berühmten Moldauklöstern. Den Abschluss bildete eine Stadtrundfahrt in Bukarest.

Am Sonntag besuchten wir den von Bischof Bela Kato ungarisch-reformiert gehaltenen Got-tesdienst, ein Festgottesdienst in der hübschen Dorfkirche mit anschliessendem Apéro und Mittagessen auf der Wiese zwischen Kirche und Wehrmauer. Das gab uns Gelegenheit, mit der Bevölkerung von Ilieni in Kontakt zu kommen.

Pfarrhäuser als Anlaufstellen für alles Mögliche
Die ungarisch-reformierte Kirche in Rumänien leistet sich den «Luxus», als Minderheitenkir-che für Kleinst-Gemeinden von 500 und weniger Mitgliedern volle Pfarrstellen zu unterhal-ten. - Luxus? Wohl kaum, wenn man bedenkt, für welche Belange das Pfarrhaus dort alles Anlaufstelle ist: Seelsorge, medizinische Versorgung, landwirtschaftliche Beratung, Bildung der Kinder und Jugendlichen, Schaffung und Sicherung von Arbeitsstellen, Überlebenshilfe und vieles mehr. In vielen Dörfern ist die Kirche und das Pfarrhaus noch die einzige Instituti-on, die wirklich funktioniert und das Vertrauen der Menschen geniesst.

Vielleicht lässt sich auch auf der Ebene der Landeskirchen, ähnlich wie es Partnerschaften zwischen den Gemeinden gibt, eine Partnerschaft etablieren. Eines der Ziele einer Partner-schaft zwischen der reformierten Landeskirche des Thurgaus und jener von Siebenbürgen könnte sein, von der Schweiz aus mitzuhelfen, die (äusserst bescheidenen!) Pfarrgehälter mit-zufinanzieren und damit die Stellen zu sichern.
Hanny und Wilfried Bührer

Mit Leib und Seele Landwirt
Ein stämmiger, jüngerer Bauersmann erzählt uns in gebrochenem Deutsch von seinem Acker-bau. Durch das HEKS konnte er ein Praktikum bei einem Bauern im Kanton Graubünden ab-solvieren. Nun will er einigen von uns unbedingt seine neueste Kultur auf dem Feld zeigen. So wandern wir mit ihm in die weite Ebene hinaus. Ganz begeistert schildert er an Ort das Anziehen und das Setzen der Sellerie – für ihn finanziell ein rentabler Anbau. «Kommen mit mir nach Haus! Ich zeigen ihnen meine Maschin!» - (seine selbst angefertigten Hilfsgeräte). Er öffnet das Tor zu seinem Hof. Mitten auf dem Platz vor dem Haus steht der Stubentisch zum Apéro gedeckt und Stühle, von seinen Eltern alles liebevoll hergerichtet. Ein ganz herzli-cher Empfang trotz der durch unsere Augen gesehenen Armut...
Annelies Dumelin

Mit blossen Händen...
Am späten Vormittag machen wir Kaffeehalt in einer kleinen Stadt. Es ist schon heiss; ein brauner Hund legt sich in den Schatten einer Reklametafel. Er ist einer von den vielen herren-losen Hunden Rumäniens. Eine Frau kommt daher; sie ist offensichtlich angestellt, um Abfall zu sammeln. Sie trägt eine neonfarbene Weste mit Leutstreifen, keine Handschuhe und füllt grosse Plastiksäcke mit Unrat. Beim braunen Hund verweilt sie einen Moment, um ihn zu streicheln. Dann geht sie weiter und sammelt Papierfetzen, Petflaschen, leere Verpackungen. Mit blossen Händen...
Dora Leuthold

Orthodoxe Widerstandskraft
Mich beeindruckten unter anderem die vielen orthodoxen Kirchen, die sich gegenwärtig im Bau befinden. Etwa 2500 sollen es sein! Ein Drittel der Baukosten übernimmt der Staat. Die restlichen zwei Drittel begleichen die Gemeinden. Ein Vergleich gibt mir zu denken: In der ehemaligen DDR – den Stammlanden der Reformation – sind nach der kommunistischen Ära nur noch knapp 20 Prozent Mitglieder einer christlichen Kirche. In Rumänien dagegen wissen sich nach der kommunistischen Schreckensherrschaft von Ceausescu (1964 – 89) immer noch 95 Prozent der rumänischen Bevölkerung der orthodoxen Kirche zugehörig. «Unsere Kirchen sind jeden Sonntag voll», sagte der Reiseleiter. «Alte und Junge gehen hier gleichermassen zum Gottesdienst!» Mag man den orthodoxen Kirchen noch so sehr Unbeweglichkeit und stures Festhalten an Traditionen vorwerfen: Ihre Widerstandskraft haben sie in Rumänien und auch anderswo jedenfalls eindrücklich bewiesen.
Christoph Naegeli
Bereitgestellt: 19.09.2006      
aktualisiert mit kirchenweb.ch