Facebook

Barbara Keller

"Herr, es ist Zeit ..."

kirchenbote<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-frauenfeld.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>776</div><div class='bid' style='display:none;'>5068</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>

kirchenbote

Wieder ist sie da, die schöne Zeit: Der Herbst, der den Sommer verabschiedet. Noch einmal – bevor uns der lange und kalte Winter endgültig in die Häuser weist – bäumt sich die Natur auf, und gibt ihr Bestes. Mit farbenprächtigen Bäumen, steigendem Morgennebel, Weinberge mit Reben, behangen mit reifen Früchten, ... , und mit einer Sonne, die alles beleuchtet, durchdringt und wärmt, unterhält sie uns. -
Barbara Keller,
Der Natur entsprechend reagieren auch die Menschen: Sie gehen hinaus, gebräunt vom Sommer, sind zugänglich, gesprächsfreudig; - sitzen in Gärten und Cafés, auf Stühlen und Bänken, an Waldrändern, und zeigen einander die farbenprächtigsten Seiten der Seele, verbreiten Freude und Gemeinschaft; - sind milde gestimmt.

Aber wie alles auf dieser Erde hat auch der Herbst eine zweite Seitem wie es in jenem Gedicht von Hermann Hesse heisst:

„Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
als noch mein Leben licht war;
Nun , da der Nebel fällt,
Ist keiner sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.“ Hermann Hesse

Kennen Sie diese Seite des Herbstes auch? Gab es bei Ihnen auch schon Momente, in denen Sie sich so richtig allein gefühlt haben, verlassen von der ganzen Welt, und vor allem von den Menschen, die in ihr wohnen, trostlos, trotz herbstlicher Farbenpracht und mildem Sonnenschein? – Nicht? – Ich schon. Manchmal war es mir gar nicht bewusst. Ich bewegte mich rege in dieser Welt, eifrig und betriebsam, sprechend und handelnd; ja, manchmal jubelte ich auch oder schimpfte gar ... und hatte «es» so richtig im Griff, das Leben – bis ich zu einem Freund kam, ihn anschaute und in seinen Augen las, dass alles Lebendige schon aus mir gewichen ist, dass ich litt und eigentlich schon lange gerne darüber gesprochen hätte, was so tief drinnen weh tat und was keine Munterkeit und Betriebsam- keit hätten ersetzen können.

Steht man vor einem Freund, der sich sorgt, so nützt alles nichts. Die Maske der Überlegenheit fällt, und man weint – wie ich es kürzlich tat. Und man kann nur dankbar sein für einen Freund, der einen in der eigenen Hilflosigkeit annimmt und umfängt – auch mit Tränen.
Ja, glücklich der Mensch mit einem Freund, der sich sorgt, und weil er Freund ist, durch seine blosse An- wesenheit zu Offenheit und Echtheit aufruft, dem man sich auch in der empfundenen Einsamkeit, in der eigenen Wehrlosigkeit und Ohnmacht zeigen darf.
Besinnen Sie sich Ihrer Freunde, wie der Herbst auch eine Zeit der Besinnung ist und vorbereitet auf einen langen, kalten Winter – uns alle. Öffnen Sie Ihre Seelen, um die Liebe, die uns wirklich trägt im Leben, einzulassen: die Liebe Ihrer Nächsten, Ihrer Freunde und vor allem die Liebe Gottes, die uns nie verlässt, auch in den dunklen und langen Tagen des Winters. Denn Gottes Liebe wärmt unsere Seele, umfängt uns, wie ein Freund es tut.
Ihre Pfrn. Barbara Keller
Bereitgestellt: 14.10.2013      
aktualisiert mit kirchenweb.ch