Facebook

Barbara Keller

Konfirmation 5. Mai 2013 der Konfirmandenklasse von Pfrn. Barbara Keller in der Stadtkirche

Glaube und Zweifel auf dem Weg zu Gott<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-frauenfeld.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>796</div><div class='bid' style='display:none;'>4890</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>

Glaube und Zweifel auf dem Weg zu Gott

Liebe Familien, Freunde, Verwandte und Bekannte!
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer im Stadtgarten und am Internet.

Im Namen der Konfirmandenklasse von Frau Pfr. Keller möchte ich sie alle hier an diesem wunderschönen Sonntag in der Stadtkirche von Frauenfeld ganz herzlich begrüßen und willkommen heissen. Wir freuen uns mit Ihnen das Fest unserer Konfirmation in diesem festlichen Rahmen feiern zu dürfen. - "Ich verstehe Gott nicht, er ist mir fern"
Dieses Thema haben wir Konfirmandinnen und Konfirmanden für den heutigen Tag gewählt, weil es heutzutage viele Leute gibt, die nicht an Gott glauben. Und darum hängen in dieser Kirche so viele Fragezeichen, weil auch wir Schwierigkeiten mit Gott haben und zweifeln.
Jetzt möchte ich Sie aber nicht mehr länger aufhalten und wünsche Ihnen und uns eine schöne und gelungene Konfirmation." Mit diesen Worten begrüsste zwei Konfirmanden die Gottesdienstgemeinde zu ihrer Konfirmation
Barbara Keller,
Gott ist mir fern, ich verstehe ihn nicht
"...Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen...." Johannes 20,25-29

Wir haben es gehört? Thomas zweifelt. Er zweifelt an der Auferstehung Jesu Christus. Er zweifelt, dass sich sein Leben zum Guten wendet. Letztendlich zweifelt er auch daran, dass sein Gott sein Leben auf gute Bahnen lenkt, resp. behütet und beschützt. Es fehlt ihm der Glaube dazu, weil ihm, wie wir gehört haben, die Gewissheit fehlt. Er will erst dann glauben, wenn er diesen Jesus Christus, den Auferstandenen gesehen und berührt hat. Also eine durchaus naturwissenschaftliche Ansicht: Ich glaube nur an die Fakten, die ich messen und einordnen kann. Geht es nicht auch uns oft so? Den KonfirmandInnen und auch uns Erwachsenen. Eine Konfirmandin schreibt dazu:

"Ich persönlich glaube an Fakten, Dinge, welche ich sehen, spüren oder hören kann. Meiner Meinung nach sollte man nur auf Dinge vertrauen, welche man will und sich sicher ist. Ich sehe mich eher in der Rolle des Zweiflers."

Das ist auch mir nicht fremd. Wieso soll ich einfach so ins Dunkle hinein glauben? Das widerspricht völlig unserem aufgeklärten Denken. Es scheint nur das Bestand zu haben, was Fakten erhärten. So scheint es zumindest.
-----------------------
So einfach ist das nicht mit unserem Glauben. Auch die KonfirmandInnen haben sich damit schwer getan, was mir eigentlich ganz angenehm ist. Bin ich mir doch sicher, dass sie dann nicht einfach blind irgendwelchen Verkünder nachfolgen. Es ist mir lieb, wenn sie alles prüfen, was ihnen vorgesetzt wird; auch an Glaubensinhalten.

Auch die KonfirmandInnen haben ihre Fragen an den Glauben. Sie haben Fragen, Unsicherheiten, Unglaubwürdigkeiten. Aber es ehrt die KonfirmandInnen, dass sie zu ihren Fragen stehen.

Unsere ganze Kirche ist heute voll damit. Fragen über Fragen, genau 108 Fragen, 2x2x3x3x3 Fragen. Und das zeigt dann auch, was das mit unserem Glauben auf sich hat: Wir sind nie fertig mit diesem Glauben. Fragen wiederholen sich. Fragen; auch an Gott, der oft so fern scheint. Ja, der Glaube darf nicht einfach starr und fix sein, resp werden. Nein, der Glaube ist eine stets sich verändernde Grösse, wie die Liebe. Zweifel und Glaube schliessen sich nicht aus. Ein Konfirmand schreibt dazu kurz und bündig:

"Der eine zweifelt an Gott (Jesus), der andere glaubt an Gott (Jesus)."

So einfach wäre das. Oder ein anderer Konfirmand:

"Manche Menschen glauben einfach so an Gott, doch andere brauchen einen Beweis, dass es Gott wirklich gibt, so wie Thomas der Zweifler. Er brauchte einen Beweis, dass Jesus auferstanden ist. Denn er hat es nicht einfach so geglaubt."

Ja, diese Sache mit dem Glauben ist gar nicht so einfach.



Konfirmation Online anhören

Konfirmation Online anhören




Doch kommen wir zum Hauptstück unseres Gottesdienstes: Der Darstellung im Chor. Dieses Bild haben drei Konfirmanden entworfen und einer hat diese Trilogie gemalt. Auf dem linken Bild sehen wir drei Menschen. Es könnte eine Familie, könnten Freunde oder einfach Singles sein. Sie gehen durch die Welt und befinden sich im Moment unter einer grossen, schwarzen Wolke. Auf dieser Seite, links, gibt es viele Fragen, die noch aufgehängt sind, Fragen an das Leben, an die Menschen und an Gott, die schwer aufliegen und einem niederdrücken. Ich begreife das. Ein Konfirmand schreibt dazu.

"Gott ist mir fern
Ich bin mir nicht sicher, dass es Gott gibt, weil ich häufig Pech habe. Wenn man jemanden braucht, ist er meistens nicht da. In manchen Ländern gibt es sehr viel Leid und Hungersnot, obwohl es genügend Essen für alle gäbe. Ich denke, die Welt wird in ein paar Jahrzehnten wieder einen Krieg führen. Es gibt überall Krieg und dadurch sterben viele Leute. Nur weil andere Konflikte haben."

Wie kann man da noch an einen Gott glauben, wenn man in die Welt hinein schaut und all das Elend sieht, das Unglück, die Katastrophen. Geht das zusammen. Aber schauen wir weiter nach vorne auf die nächsten beiden Bilder. Die drei Menschen, diese Gruppe befindet sich auf einem Weg. Sie schauen in die Ferne. Die drohende Wolke über ihnen kann sich nächstens entleeren.

Aber, und das ist jetzt wichtig: Sie bleiben nicht stehen. Ihr Blick ist in die Weite gerichtet. Im mittleren Bild ist die Wolke verschwunden, nur blauber Himmel ist zu sehen. Die drei Menschen schauen noch weiter, ganz nach rechts ins rechte Bild, dahin, wo es hell ist. Wer genauer hinsieht, merkt, dass dort, ganz rechts, das göttliche Himmelstor ist. Das Bild ist fast nur in Gelb gehalten. Das Gelb als Symbol für die Göttlichkeit leuchtet hier ganz intensiv. Die Fragen lösen sich langsam auf. Die letzte entweicht im Himmel. Hier wird plötzlich alles klar und hell.
------------------------------
Liebe KonfirmandInnen, Wir haben das bei Thomas gesehen: Jesus war ihm nicht böse. Fragen müssen erlaubt sein. Zweifel darf sein. Glaube ohne Fragen und Zweifel bleibt eng. Darum möchte ich euch Mut machen, eure Zweifel im Leben zu leben. Aber ich möchte euch auch Mut machen, den Schritt zum Glauben zu wagen. Denn dieser Schritt gibt unserem Leben Sinn. Eingebunden in Gottes Liebe könnt ihr euch geborgen fühlen, wie auch immer die Welt aussehen mag.

"Glaube in Zweifel gezogen
dehnt sich aus." (Elazar Benyoëtz)

AMEN
Bereitgestellt: 07.05.2013      
aktualisiert mit kirchenweb.ch