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Andreas Bänziger

Editorial Juni-Kirchenbote

Ruhe<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-frauenfeld.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>179</div><div class='bid' style='display:none;'>578</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Ruhe

Zählen Sie auch zu den Menschen, die jetzt schon Vorbereitungen treffen für die kommenden Ferien? Oder sind Sie an Ihre vier Wände gebunden oder gar an Ihr Bett? Und wann konnten Sie sich das letzte Mal Ferien leisten? Und falls Sie noch zu den Berufstätigen zählen: Wie oft im Jahr gönnen Sie sich Ferien?
Pfr. Christoph Naegeli,
Eines steht ausser Zweifel: Der Mensch braucht Entspannung, Erholung, Ruhezeiten. Er braucht Entlastung, um die Lasten nachher wieder tragen zu können. Doch ist das alles? Dann hätten die Ferien lediglich eine Entlastungsfunktion. Und sie wären wieder an der Arbeit orientiert.

Viele scheinen das – bewusst oder unbewusst – anzunehmen. Jedenfalls leben sie praktisch nach der Devise: Der Mensch ist das, was er leistet. Und die Ferien erhalten und steigern die Leistungsfähigkeit. Sie zeigen, was man sich leisten kann: Italien, Tunesien, Griechenland...

Doch liegt der sinn unseres Lebens wirklich in dem, was wir leisten? Was geschieht dann mit den Menschen, die noch nichts oder nichts mehr oder nicht viel leisten können? Sind sie abgeschrieben? Zählen sie gar nicht mit?

Unser Leben hat seinen Sinn erhalten, bevor wir etwas leisten konnten, und es bleibt auch dann sinnvoll, wenn wir nichts mehr leisten können. Von daher könnte man die Ferien auch ganz anders verstehen. Sie sind dann nicht mehr nur dazu da, unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten. Sie weisen uns vielmehr darauf hin, dass das Leben immer schon in sich sinnvoll ist. Darum brauchen wir nicht ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir einmal während einiger Wochen gar nichts tun. Schliesslich leben wir nicht, um zu arbeiten. Sondern wir arbeiten, um zu leben.

Wenn wir unsere gewohnte Umgebung hinter uns lassen, dann werden die vielen Stimmen der Erinnerung, der Sorge und der Unruhe zunächst einmal mit uns gehen. Unsere geplagte Seele gleicht einem See, dessen Wellen sich erst ganz allmählich legen, bis sich eines Tages in den Tiefen der Wasser der Himmel spiegelt. Werte verschieben sich. Manches wird neu gesehen. Und vielleicht bekommt man plötzlich den Eindruck, das ganze Leben stehe auf dem Kopf...

Lieber Leser, liebe Leserin
Lassen Sie mich sozusagen als „Reiseproviant“ Ihnen ein Gebet mit auf den Weg geben, das ich schon oft als hilfreich erfahren habe:

Guter Gott,
aus der Unruhe meines Alltags
komme ich zu Dir.
Nimm mich auf in Deine Geborgenheit.
Lass mich Ruhe finden in Deiner Nähe.
Hilf mir zu entdecken,
was ich jetzt brauche.
Bereitgestellt: 01.06.2006      
aktualisiert mit kirchenweb.ch