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Andreas Bänziger

Geiz ist geil...

Brot für alle/Fastenopfer (Foto: Andreas Bänziger)

Brot für alle/Fastenopfer (Foto: Andreas Bänziger)

... wirbt ein grosser Elektronik-Supermarkt.
Liebe Leserin, lieber Leser
In den letzten Wochen habe ich mich
intensiv mit Jugendlichen zum Thema
Geld und der diesjährigen «Brot
für alle»-Kampagne beschäftigt.
Haben Sie gewusst, dass jeder vierte
Jugendliche zwischen 16 und 25
Jahren verschuldet ist und 17% der
Jugendlichen ein kaufsüchtiges Verhalten
haben?
Diakon Andreas Caluori, Jugendarbeiter,
Ich finde es erstaunlich, wie oft in der Bibel von materiellen Gütern die Rede ist. Über 2000 Verse der Bibel und fast die Hälfte der Gleichnisse von Jesus sprechen vom Umgang mit Geld und Besitz! Ich frage mich, warum Jesus so oft vom Geld gesprochen hat. Die Gesellschaft, in der er lebte, war doch
noch nicht so kompliziert wie unsere.
Es gab noch keine Verführung durch Kreditkarten, und auch sein Kontostand musste ihn wahrscheinlich nicht beunruhigen.

Lk 16,11: «Geht ihr also schon mit Geld unehrlich um, wer wird euch dann die Reichtümer des Himmels anvertrauen wollen?» Die Bibel spricht wohl deshalb so viel von Geld, weil es im Kampf um die Herrschaft über unser Herz und unser Leben Gottes grösster
Rivale ist. Jesus fordert uns dazu auf, uns zu entscheiden.

In der biblischen Ökonomie geht es um das Prinzip von Empfangen und Geben, um Mitmenschen zu segnen. Das «Geiz ist geil»-Prinzip steht für Kaufen und Verkaufen zur Gewinnmaximierung. Wir sollten nicht ausschliesslich auf uns selbst schauen, sondern den Nächsten sehen, wie der barmherzige Samariter, der seinen
Reichtum grosszügig nutzte, um den Armen und jenen, die es nötig
hatten, in irgendeiner Form zu helfen.
Mt 6,19-20: «Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde,… sammelt euch aber Schätze im Himmel.» Denn der Wert der irdischen Investitionen kann plötzlich verfallen und ein Börsencrash
stürzt uns in Verzweiflung. Reichtum im Himmel geht jedoch nie
verloren.

Reichtum im Himmel bedeutet nicht nur finanzielle Schenkungen wie unseren Zehnten, die Kollekte, Patenschaften oder Förderung der eigenen Kinder, sondern auch Teilen und Einsetzen aller von Gott erhaltenen Gaben und Fähigkeiten für unsere Nächsten.

Dann sehen wir die Not auf unserer Welt. Wir leben im Überfluss
und sind eine Wegwerfgesellschaft. Andere auf unserem Planeten leben täglich mit einigen Gramm Reis. Auch die diesjährige «Brot für alle – Fastenopfer»-Initiative redet davon, dass die Industrieländer die Rohstoffe der Drittweltländer ausnutzen.
Afrikas Rohstoffe stillen unseren Konsumhunger, nicht aber den
Hunger in Afrika. Das Verrückte an allem ist, dass es genug Ressourcen für alle Bewohner dieser Erde hat. Doch mit der Verteilung stimmt etwas nicht. Es bringt nichts, wenn wir nun ein schlechtes Gewissen beim Essen haben – Gott hat es gesegnet,
wir sollten dankbar dafür sein. Wiederum müssen wir lernen zu teilen, aufeinander zuzugehen und füreinander da zu sein.
Wenn wir Jesus fragen, was wir mit dem Geld machen sollen, dann bekommen wir folgende einfache Antwort: Mt 6,24: «Niemand kann zwei Herren dienen.» Geld ist ein Götze, den man in Schach halten muss! Das heisst, wir sollten immer eine kritische Einstellung dem Geld gegenüber haben.

Wir müssen unsere Unabhängigkeit vom Geld demonstrieren; dabei kann unsere wahre Abhängigkeit von Gott ein Zeugnis sein.
Setzen wir unsere ganze Hoffnung und unser Vertrauen nicht auf Erfolg oder auf materielle Güter, sondern auf Gott! Wenn dann um uns herum alles zusammenkracht, dann haben wir Gott als Anker, der uns hält. Denn er wird uns nicht hängen lassen.
Bereitgestellt: 02.03.2011      
aktualisiert mit kirchenweb.ch