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Andreas Bänziger

Studienurlaub Pfr. Andreas Bänziger (8)

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bemalte Apsis ohne Mandorla in San Pietro

09-57: Kunst und Religion
Grosse Mandorlatour in Graubünden
Veranstalter: a+w
Ziel:
- Die Mitte des abendländischen Kirchenbaus: Christus in der Mandorla
- Architektur und Bilder als Bedeutungsträger für theologische Aussagen
- Anregungen für den eigenen Umgang mit kirchlicher Kunst

Inhalt:
• Begegnung mit dem zentralen Thema des mittelalterlichen Kirchenbaus in ausgewählten Objekten Nord- und Südbündens (am Schamserberg, Bondo im Bergell, Schmitten im Albulatal, Poschiavo, Stuls bei Bergün)
• Hintergründe dieses Christusbildes in biblischer, symbolischer, ikonographischer und kosmischer Sicht
• Deutung in die Gegenwärtigkeit des eigenen Lebens und als Impulse für seelsorgerische Begleitung
• Kleinere Wanderungen ergänzen das Besichtigungsprogramm
• Musikalische Beiträge vertiefen nach Möglichkeit das Geschaute und verhelfen zu einem meditativen Umgang damit

Leitung:
• Dieter Matti, Studium der Musik und Theologie sowie Weiterbildung in christlicher Ikonographie. Pfarrer in verschiedenen Bündner Gemeinden. Kunstwanderwochen im In- und Ausland: seit 2005 freiberuflich, aber für die Sache der Kirche. Beauftragter der Evang. Landeskirche Graubündens für „Kunst und Religion“ Nachfragen zum Programm bei: Dieter Matti, Kunstwanderungen, 7484 Latsch ob Bergün, Tel. 081 420 56 57, Fax 081 420 56 58

Datum: 16.08.2009 bis 21.08.2009
Treffpunkt am Anreisetag um 17.15 Uhr in Preda
Abschluss am Freitag ca. 13.30 Uhr in Bergün

Ort: Preda ob Bergün (Hotel Kulm)
Pfr. Andreas Bänziger,
Notizen zu den Kunstwandertagen in Preda, 16.-21.8.2009 mit Dieter Matti

Sonntag, 16.8.2009


Anfahrt mit dem Motorrad (2 ¼ Stunden). Einführung und Nachtessen im Hotel Kulm, Preda.

Montag, 17.8.2009

Bahnfahrt RhB (Weltkulturerbe!) u.a. über den berühmten Viadukt bei Filisur nach Thusis. Umsteigen ins Postauto Richtung San Bernardino, umsteigen in Zillis nach Mathon. Besichtigung der reformierten Barockkirche mit herzigem historischem Örgeli auf ‚Stuhl‘. Dieter Matti stimmt uns ein mit Orgelmusik von Mozart. Dazu als Gedanke zur Besinnung: „Gott blies dem Menschen den Lebensodem in die Nase; so wurde der Mensch ein lebendes Wesen.“ (Schöpfungsgeschichte)
Wanderung nach Casti, Picknick vor der romanischen Kirche. Besichtigung der Kirche mit fragmentarisch erhaltenem Fresko: Christus-Mandorla vom Waltensburger Meister.
Wanderung nach Clugin, wo wir eine weitere Kirche mit ähnlicher Christus-Mandorla besichtigen. Die Mandorla ist eine Art Fenster zur Ewigkeit, man könnte sie auch als Auge Gottes interpretieren.
Weiterwandern nach Andeer, wo wir einkehren, bevor uns das Postauto zurück nach Thusis fährt. Danach wieder per RhB nach Preda. Nachtessen.

Dienstag, 18.8.2009

Fahrt mit dem Töff über Albula und Maloja nach Promontogno, Bergell. Spaziergang nach Bondo. Romanische Kirche, erbaut 1250, leicht barockisiert. Ein Wandermaler aus der Lombardei hat Fresken gemalt, vermutlich der gleiche wie in Bergün. Aussen ist Christophorus als Wanderheiliger dargestellt: Gott bewahrt mich auf dem Weg. Dann die Madonna mit Kind, die Apostel Johannes und Jakobus, und Martin.
Innen: Christus in der Mandorla aus Regenbogenfarben. Christus sitzt auf einem Regenbogen-Thron. Die 4 Evangelisten sind als Symbole dargestellt, mit Spruchbändern.
[Kath. Symbollexikon: Evangelistensymbole:
Der Ursprung der Evangelistensymbole reicht zurück bis in den babylonischen Mythos. Die vier Astralgötter Nergal = Flügellöwe, Marduk = Flügelstier, Nabu = Mensch und Mimurta = Adler, stellen Symbole göttlicher Macht dar. In einer Vision schaut der alttestamentliche Prophet Ezechiel (vgl. Ez 1, 1-14) die Herrlichkeit Gottes in diesen vier Lebewesen, wie dies auch die Offenbarung des Johannes berichtet (Offb 4, 6-8). Die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt bezogen erstmals die vier Wesen der Ezechiel-Vision und der Offenbarung auf die Evangelisten. Die jetzt gebräuchliche Verteilung findet sich bei Hieronymus:
Mensch = Matthäus, sein Evangelium beginnt mit der Darlegung der menschlichen Abkunft Jesu,
Löwe = Markus; das Evangelium beginnt mit dem Täufer Johannes, dem "Rufer aus der Wüste"; Markus wird auch mit dem Löwen dargestellt, weil im Auftreten Jesu die messianische Zeit des Friedens beginnt, in der Kalb und Löwe nebeneinander auf der Weide leben können, weil der Löwe Gras frißt,
Stier = Lukas; sein Evangelium beginnt mit dem Opfer des Zacharias; Lukas hat den Stier auch deshalb bei sich, weil Jesus am Kreuz geopfert wird und das Kalb bzw. der Stier als Opfertiere gelten.
Adler = Johannes; aus ihm spricht der von oben kommende Geist am mächtigsten.
An Kanzeln und Kuppelzwickeln des Barock sind die Evangelisten-Symbole häufig mit den vier lateinischen Kirchenvätern Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Gregor dem Großen dargestellt, um so im Sinne der "Gegenreformation" die Kontinuität der Tradition, auf die sich die katholische Kirche berief, zu unterstreichen.]
Links und rechts sind Maria und Johannes zu sehen. Im Bogen der Apsis sieht man alttestamentliche Profeten dargestellt: Mose, Samuel, David, Ezechiel, Daniel etc . In der Mitte des Bogens das Lamm Gottes mit (wehender) Kreuz-Fahne als Symbol der Auferstehung. Der Renaissance-Maler versteht die Welt als Zeichen Gottes, daher ist jedes Detail darstellungswürdig. Die Kunst wird in der Renaissance plastischer, perspektivischer und dreidimensionaler.
Das Abendmahl mit den 12 Aposteln ist an der Seitenwand dargestellt. Die Apostel ganz links und rechts aussen wirken weiblich &#61664; damit betont der Künstler die Harmonie.
Vorn die Mandorla: Christus ist majestätisch dargestellt, aber nicht bedrohlich als Richter, sondern segnend als der Auferstandene. In der Linken trägt er wie üblich ein Buch mit dem Johanneswort: ego sum lux mundi; via, veritas et vita (= „ich bin das Licht der Welt; der Weg, die Wahrheit und das Leben“). Die Apsis mit der Mandorla stellt den Himmel dar, der sich den Menschen geöffnet hat in Christus: der kosmische Christus als Auge Gottes oder als Fenster zum Himmel.
Die 4 Evangelisten symbolisieren die 4 Himmelsrichtungen, in die das Evangelium verbreitet wird durch die 12 Apostel. Das reine Licht blendet (man kann Gott nicht sehen), in die Spektralfarben aufgefächert (in den Geschichten der 4 Evangelien) können wir Gott erkennen. Die Ornamente und Medaillons betonen die Ordnung der Schöpfung.
In der Renaissance wurden warme Farben verwendet. Die Mandorla ist ein Theophaniebild. Gott erscheint in Christus in einer Lichtwolke, wie es Mose am Horeb erlebt hat. Licht, Energie, Wärme &#61664; Gott ist das Licht, er ist dynamisch. Licht ist nicht greifbar, so auch Gott nicht. Die Wolke ist ein Symbol des Jenseits, vgl. Psalm 104: 1 Lobe den HERRN, meine Seele. HERR, mein Gott, du bist so gross. In Hoheit und Pracht bist du gekleidet, 2 der du dich hüllst in Licht wie in einen Mantel, der den Himmel ausspannt wie ein Zelt, 3 der im Wasser seine Gemächer baut, der Wolken zu seinem Wagen macht, auf Flügeln des Sturms dahinfährt... Der Himmel ist ja am Tag verhüllt, wir sehen nur die blaue Luft; in der Nacht hingegen verschwindet die nahe Umgebung, dafür erscheint das Weltall (Sterne).
Von Christus gehen Wellenlinien aus, Energiestrahlen auf rotem Hintergrund. Das Rot ist der Lebenssaft (vgl. Blut); Rot als Farbe des Lebens und der Leidenschaft. Purpur steht symbolisch für Könige. Christus hat ein rotes Kleid und einen blauen Umhang: Rot steht auch für das Leiden Christi, Blau für Himmlisches. Unterhalb der Kuppel im Rund wären (in anderen Kirchen sichtbar) die 12 Apostel dargestellt.
Ezechiel 1 [1 öffnete sich der Himmel, und ich sah göttliche Schauungen. ... 10 Und das war die Gestalt ihrer Gesichter: Sie hatten ein Menschengesicht, und auf der rechten Seite hatten alle vier ein Löwengesicht, und auf der linken Seite hatten alle vier das Gesicht eines Stiers, und alle vier hatten ein Adlergesicht.] (Berufung des Profeten) ist der Hintergrund für die Mandorla: Gottes Herrlichkeit erscheint; die 4 Wesen: Mensch, Löwe, Stier, Adler sind um den Thron Gottes. Gott sitzt auf dem Regenbogen, wie ein Menschensohn, vgl. Offenbarung 4: 2 Sogleich wurde ich vom Geist ergriffen, und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron sass einer, 3 und der da sass, hatte ein Gesicht, das war wie Jaspis und Karneol, und den Thron umgab ein Regenbogen, der sah aus wie ein Smaragd. 4 Und rings um den Thron sah ich vierundzwanzig andere Throne, und auf den Thronen sassen vierundzwanzig Älteste, in weisse Gewänder gehüllt und mit goldenen Kronen auf dem Haupt. 5 Von dem Thron aber gehen Blitze aus, Stimmen und Donner, und sieben Fackeln brennen vor dem Thron, das sind die sieben Geistwesen Gottes. 6 Und vor dem Thron ist etwas wie ein gläsernes Meer,A gleich einem Kristall. Und mitten auf dem Thron und rings um den Thron herum sind vier Wesen, die mit Augen übersät sind, vorne und hinten. 7 Das erste Wesen gleicht einem Löwen, das zweite gleicht einem Stier, das dritte hat das Gesicht eines Menschen, das vierte gleicht einem Adler im Flug..
Mittagessen in Promontogno im Hotel Bregaglia. Anschliessend fahre ich per Töff über Chiavenna und über den Splügenpass zurück nach Preda.

Mittwoch, 19.8.2009

Von Sils-Maria aus wandern wir ins Fextal. Wir besichtigen das Kirchlein Fex aus der Zeit um 1500 mit Fresken eines norditalienischen Malers. Dieter Matti beginnt mit Orgelmusik von Bach auf einem Örgeli, das noch ‚atmet‘, weil die Luft mit den Füssen gepumpt wird &#61664; ein Bild für die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens.
Vor dem Bogen links und rechts die Verkündigung an Maria, rechts mit Gott in Halb-Mandorla, der seine Hand in Richtung Maria streckt. Im Bogen der Apsis sind wieder die alttestamentlichen Profeten dargestellt, es sind nur 10 von 12 sichtbar. Die Spruchbänder sind typisch für die Renaissance. Neben der Sakramentsnische ist Christus als Gefolterter dargestellt. Viele Marienfiguren vermitteln ein mütterlich-weibliches Gottesbild. In der Mitte unten ist Anna mit Maria und Jesus dargestellt (Generationenfolge).
Links der Mandorla sieht man 3 heilige Frauen mit Maria. Rechts ist ein Haus wie eine Kirche dargestellt: das Haus der Maria. Maria wird von zwei Engeln gekrönt. Daneben sind Paulus und Petrus dargestellt. Um die Mandorla herum sind wieder die 4 Evangelisten symbolisch dargestellt.
In der Mandorla ist diesmal Gott Vater mit Jesus dem Gekreuzigten im Schoss dargestellt, dazwischen der Heilige Geist als Taube: der sogenannte ‚Gnadenstuhl‘. Diese Darstellung kommt aus dem Herbäerbrief 4,14-16 [14 Da wir nun einen grossen Hohen Priester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns am Bekenntnis festhalten. 15 Denn wir haben nicht einen Hohen Priester, der nicht mit uns zu leiden vermöchte in unserer Schwachheit, sondern einen, der in allem auf gleiche Weise versucht worden ist, aber ohne Sünde. 16 Lasst uns also freimütig hintreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden und uns so geholfen werde zur rechten Zeit.] und ist seit dem 12. Jahrhundert gebräuchlich. Der ‚Gnadenstuhl‘ vermittelt also ein Gottesbild nicht von einem strafenden, richtenden Gott, sondern von einem, der uns in Christus nahe ist, der unsere Schwachheiten versteht, weil er selbst gelitten hat und der uns einlädt, zu ihm zu kommen und Gnade zu erhalten. Bernard v. Clairvaux hat vom Gericht der Liebe gesprochen: Das Gericht Gottes geschieht durch den Gekreuzigten, der an meiner Stelle gelitten hat. Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes drückt das Ja Gottes aus: „Du bist mein geliebter Sohn...“. Der Mantel Gottes öffnet sich dreieckförmig; Gottes Gnade gibt Leben (grün) an uns.
Anschliessend Mittagessen und Wanderung nach Maloja, dann per Postauto und RhB zurück nach Preda.

Donnerstag, 20.8.2009

Ich fahre mit dem Töff über den Julier ins Engadin, dann über den Berninapass ins Puschlav.
Wir besuchen das Kirchlein San Pietro rechts oberhalb des Bahnhofs Poschiavo. An früherem Passweg gelegen ist das Kirchlein von überall her sichtbar. Es ist eine romanische Kirche, die Bemalung später. Apsismalerei ohne Mandorla. Die Apsismalerei hat eine ‚Sogwirkung‘, das zentrale Thema des Glaubens ist darin dargestellt. Das Grundthema ist Leiden und Schmerz. 1538 von einem Veltliner Maler gestaltet. Die Körper sind plastisch dargestellt.
Im Bogen in der Mitte ist Gott Vater, dann sind Georg und Victor und die 4 Evangelisten dargestellt, diesmal nicht symbolisch sondern als Personen. Dazwischen erkennt man Fratzen von Dämonen, sie sind aber im Hintergrund, haben kein Gewicht mehr. Das Hauptthema: die Beweinung des toten Leichnams Jesu. Um ihn herum gruppiert sind 4 Frauen, eine von ihnen ist seine Mutter Maria. Links aussen steht Petrus mit dem Schlüssel, daneben Jakobus mit dem Wanderstab, und rechts aussen Paulus mit dem Schwert und Johannes (ohne Bart) mit gefalteten Händen. Daneben sind Joseph v. Arimathia (mit Hammer) und Nikodemus (mit 3 Kreuznägeln und Zange) dargestellt. Nikodemus (mit jüdischem Spitzhut) kam ja in der Nacht zu Jesus, er hat interessanterweise das hellste Gewand; Rabbiner waren gehalten, in der Nacht die Torah zu studieren. In der Nacht verschwinden die greifbaren Dinge, dafür wird die Tiefe des Himmels sichtbar. Gestern haben wir die Passio gesehen, heute die Compassio (Mitleiden) &#61664; Passio und Compassio führen zur ‚Wandlung‘ (in der Messe).
Ein Weg zum Kreuzhügel ist dargestellt, relativ steil: Der Weg der Nachfolge ist steil und schwierig. Hinten ist eine Poschiaver Berglandschaft zu sehen. In der Ferne hinter den Bergen ist Licht (Hoffnung auf Ewigkeit).
Rechts an der Seitenwand ist ein Marienbild zu sehen: Madonna mit Kind, wieder mit Bergen im Hintergrund.
Mittagessen auf dem Dorfplatz von Poschiavo. Ich esse Spaghetti Arrabiata. Danach fahre ich durchs Veltlin bis an den Comersee, durchs Bergell wieder ins Engadin und nach einem Abstec her nach Scuol über den Flüelapass zurück nach Preda.

Freitag, 21.8.2009

Wir besuchen zum Abschluss unseres Kurses das Kirchlein in Stuls. Ursprünglich war es ein Oratorium, ein Andachtsraum fürs persönliche Gebet (ohne Apsis). Früher war es nahe dem Passweg gelegen; diese Routen führten häufig nicht unten durchs Tal, sondern seitlich entlang der Berghänge. Später (in der Spätgotik) wurde ein Chörli und noch später (ca. 1600) ein Turm angebaut.
An der Aussenwand ist wieder ein Rest von Christophorus, dem Wegheiligen (ca. 1310) geblieben, daneben Johannes der Täufer mit Lamm-Medaillon („Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt!“). Daneben hat der Stulser Meister (ca. 1360, geprägt von Giotto) den Drachenkampf von Georg dargestellt: Gottes Macht besiegt das Böse, das Heidentum. Im Gegensatz zur älteren Malerei daneben, die zweidimensional ist, malt Giotto und seine Schüler bereits kubisch, dreidimensional körperlich.
Das ursprüngliche Oratorium war nur stubengross, mit Tonnengewölbe, das den Himmel symbolisiert. Der Stulser Meister (1360) war grossartig in der Malerei, aber auch geistig sehr gebildet. Grossartig ist, wie er den Raum ausgefüllt hat. Je drei Bilder malt er auf beiden Seiten, die riesige Mandorla oben ins Gewölbe. Der Stulser Meister erzählt wie Giotto mit seinen Bildern Geschichten.
Die Kreuzigung: Christus hängt schwer am Kreuz &#61664; Menschsein ist schwer und schmerzvoll. Die Arme sind weit ausgestreckt wie eine Schale, das Gewölbe ist wie die Antwort Gottes darauf. Gegenüber die Taufe Christi: Das Ja Gottes zum Menschen. Christus hält demütig die Hand auf die Brust, ist nackt, entblösst. Links vorne war sicher die Verkündigung, rechts vorne Maria mit Kind, bevor die Wand zum Chor herausgebrochen worden war. Rechts vorne sieht man die Anbetung der Könige als drei Generationen dargestellt: Der junge König ist empfänglich und offen, deshalb weiblich dargestellt, er sieht wie schwanger aus. Der ältere (im mittleren Aller) zeigt dem jüngeren den Stern, der alte ist nicht mehr gut sichtbar. Rechts dann die Grablegung Marias mit den Aposteln, dann die Taufe und dann das Abendmahl.
Oben gegen den Ausgang sind die 4 Kirchenväter Augustinus, Ambrosius, Gregor d.Gr. und Hieronymus dargestellt, je in ihrem ‚Lehr‘-Gebäude.
Weil eine Apsis fehlt, malt der Stulser Meister Christus in der Mandorla sehr dominant in das Deckengewölbe. Christus öffnet die Nacht (dunkelblau) und erscheint in der Regenbogen-Mandorla, wieder umrahmt an den vier Ecken durch die symbolischen Evangelisten.
Gott ist Licht und an sich für das menschliche Auge nicht sichtbar, aber in der Auffächerung der Spektralfarben, in der Lebensgeschichte Jesu wird Gott erfahrbar; das stellen die Bilder auf den Seitenwänden dar.
Die Mandorla: ein Himmelsfenster geht auf, im Regenbogen erscheint Christus. Der Regenbogen symbolisiert Versöhnung, die Verbindung von Himmel und Erde, übrigens in allen Kulturen.
Hinten sieht man die Gefangennahme Jesu; Petrus versucht mit dem Schwert dreinzuschlagen und verletzt Malchus: Gewalt ist nicht der Weg! „Stecke dein Schwert in die Scheide...“
Zur Mandorla: Eine Mandel ist schwer aufzubrechen. Die Mandel ist ein mediterranes Symbol. Der Mandelbaum blüht zweimal im Jahr, als erstes noch im Winter: Christus als der Erstling der Auferstehung. So ist die Mandel ein Auferstehungssymbol. Hebr. Shaqat bedeutet ‚der Wächter‘, der als erster etwas hört. Beim 7-armigen Leuchter in der Stiftshütte und im Tempel waren die 7 Kelche der Leuchten als Mandelblüten gestaltet. Das hebräische Wort ‚Mandelbaum‘ hat den gleichen Wortstamm wie ‚Wächter‘. Jeremia sieht einen Mandelzweig bei seiner Berufung: Jer 1,11 Und das Wort des HERRN erging an mich: Was siehst du, Jeremia? Und ich sprach: Ich sehe den Zweig eines Mandelbaums. Die harte Schale symbolisiert das Leiden, der weiche Kern die Auferstehung.
Bereitgestellt: 25.08.2009      
aktualisiert mit kirchenweb.ch