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Andreas Bänziger

Studienurlaub Pfr. Andreas Bänziger (4)

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Füllt die Krüge: Bild von Hansruedi Koller

„Schatz in zerbrechlichen Gefässen“ von Glanz und Elend, Armseligkeit und Würde des Menschseins
Exerzitienwoche
Veranstalter: Campo Rasa, Kurszentrum VBG
Pfr. Andreas Bänziger,
Inhalt:
Exerzitien (geistliche Übungen) sind eine erprobte Hilfe, um äusserlich und innerlich zur Ruhe zu finden. Sie wollen uns helfen, unser Leben vor Gott zur Sprache zu bringen: unsere Geschöpflichkeit, unsere Einmaligkeit, aber auch unsere Erlösungsbedürftigkeit.
Als methodische Bausteine dienen uns tägliche Impulse, das Meditieren und Beten biblischer Texte, Zeiten der persönlichen Stille, Gottesdienste, Einzelgespräche mit einer Begleitperson und Körperwahrnehmungsübungen.
Inhalt: Wir alle leben mit dem mehrfachen Paradox unseres Menschseins, von Paulus zusammengefasst im Bild vom Schatz in zerbrechlichen Gefässen. Wie kann diese doppelte Wahrheit in unserem Leben heilbringend erfahren werden: die einmalige Würde, die uns unser Schöpfer und Erlöser zudenkt, und das tägliche Erleben von Zerbrechlichkeit und Hinfälligkeit? Wie können wir tiefer hineinwachsen in die Sehnsucht nach Erlösung und in die Erlösung selber?
Das Warten auf Gottes Wirken setzt die Bereitschaft zur Stille voraus. Deshalb verbringen wir diese Tage im Schweigen.
Das autofreie, auf einer Sonnenterrasse des Centovalli gelegene Tessiner Dörfchen Rasa mit seinen alten, liebevoll restaurierten Tessiner Häusern ist schon seit Jahrzehnten eine Oase der Ruhe und ein Zufluchtsort für Menschen, die die Stille vor Gott suchen.
Auskunft: Pfr. Christoph Stücklin, Rain 11-b, 3063 Ittigen
Tel. 031 921 48 50
E-Mail: stuecklin@refittigen.ch

Leitung:
• Christoph Stücklin, Dr. theol., Pfarrer und Exerzitienleiter
• Gertrud Stücklin, Exerzitienleiterin

Datum: 28.06.2009 bis 04.07.2009
Sonntag, 28.6.2009, 18.15 Uhr, bis
Samstag, 4.7.2009, 9.00 Uhr

Unterkunft: in Einzelzimmern
Vergünstigung auf Anfrage möglich

Ort: Campo Rasa, Kurszentrum VBG
6655 Intragna (Centovalli)

Preis: Kursgeld: Fr. 250.–
Pension: Fr. 590.–

Anmeldeschluss: 31.05.2009

Anmeldung: Campo Rasa, Kurszentrum VBG
6655 Intragna TI
Telefon: 091 798 13 91

Exerzitien in Rasa 28.6.-4.7.2009
Da die Woche in Rasa viel Stille beinhaltete und Eindrücke einer inneren Wanderung betrifft, ist es schwierig, dies in Worte zu fassen. Ich habe einfach einige Notizen festgehalten.

Am Sonntag Mittag reise ich mit dem Zug von Frauenfeld ins Tessin; eine Route, die ich sonst mit den Konfirmanden fahre, reise ich diesmal allein. Erst als ich in Verdasio ins bekannte Luftseilbähnli einsteige, kommen andere, z.T. bekannte Leute dazu. Im vertrauten Rasa entdecke ich dann weitere Leute, die ich von früher her kenne: Edi & Rahel Pestalozzi, Michel & Susanna Pickmann, Markus Keller, Vreni & Jörund Grönning, Christoph Meister, Hansruedi Koller (ist zufällig in Rasa, gehört nicht zum Kurs). Das Wetter ist angenehm sommerlich warm, so bedaure ich kaum, dass ich keine Jacke mitgenommen habe. (in der Eile vergessen!)
Der Einstiegsabend offenbart, wie viele Teilnehmer einen Hunger haben danach, Gottes Stimme zu hören und ihm in der Stille zu begegnen. Christoph & Gertrud Stücklin erklären den Ablauf der Woche und führen uns ins Thema ‚Exerzotien‘ ein.
Heiliger Geist, komme auch zu mir, schenke klärende Einsichten! Ich möchte vor allem besser mit meinen Grenzen und Schwächen umgehen können und dabei mehr Raum für Gottes Wirken einräumen. „Ganz Mensch werden und Gott ganz Gott sein lassen“, wie Walter Bernhard gesagt hat.

Sonntag, 28.6.2009 – Anregungen zur Meditation – Christoph Stücklin
2 Textimpulse zur Meditation (Vormittag/Nachmittag) hängen jeweils am Anschlagbrett. Wir sollen uns je 1 Stunde reservieren für Stille (‚Harren auf Gott‘). Wir beginnen jeweils mit einem festen Gebet, das wir unter x ausgelegten Beispielen aussuchen konnten. Die Stunde kann in zwei Hälften aufgeteilt werden mit kurzer Pause dazwischen. Mein Eingangsgebet ist von Leo Tanner und Ruth M. Michel nach Joh 4 formuliert und lautet:
Jesus Christus,
Du schaust mich an – so wie ich bin:
voll Liebe
mit viel Verständnis
ohne Verurteilung.
Du nimmst mich an – so wie ich bin:
mit meinen Gaben
mit meinen Grenzen
mit meinen guten Seiten
mit meinen schlechten Neigungen.
Du sagst Ja zu mir – so wie ich bin:
mit meiner Lebensgeschichte
mit allem, was gelungen ist
mit allem, was misslungen ist.
Darum kann auch ich mich anschauen.
Darum kann auch ich mich annehmen.
Darum kann auch ich Ja zu mir sagen.
Hilf mir, die Realität meines Lebens zu akzeptieren
und mich dem Wirken Deiner heilenden Kraft zu öffnen.
Amen.

Meditation bedeutet, sich zu konzentrieren auf wenig, „mich vom Wort ergreifen zu lassen“, wie Martin Luther gesagt hat. Nicht ich ergreife das Wort (und mache eine Predigt daraus!), sondern umgekehrt.
Stille: offen sein für Gott Vater – Sohn – Heiliger Geist. ... in das Wort hineingehen... vgl. Offenbarung: das Buch essen/verdauen.
Das Wort öffnet Lebensbereiche von mir, die bisher verborgen waren.
„Schatz in zerbrechlichen Gefässen“: wir alle haben die Signatur des Schöpfers, auch wenn das Gefäss zerbrechlich ist. Wir sollen die Absicht/Idee des Töpfers (Schöpfers) erspüren. Js 64,8: Wir sind das Werk deiner Hände. Jeder ist ein Unikat. Der Töpfer arbeitet an uns ein Leben lang. Wir alle tragen die Unterschrift des Schöpfers (=meine Würde!).

Montag, 29.6.2009 – „Schöpfer“
Morgenmeditation: 1.M 2,7: da bildete der HERR, Gott, den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies Lebensatem in seine Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.
Vormittagsmeditation: Ps 8,4-6: 4 Wenn ich deinen Himmel sehe, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du hingesetzt hast: 5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? 6 Du hast ihn wenig geringer gemacht als Gott, mit Ehre und Hoheit hast du ihn gekrönt.
Nachmittagsmeditation: Jes 64,7: Nun aber bist doch du, HERR, unser Vater! Wir sind der Ton und du unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hand.
• Du machsch öppis Guets us mim Läbe
• Ich will dine formende Händ anehebe, tue du a mir dis Werk!
• Du wörsch au fertig mit mine Fähler
• Ich muss nicht vieles tun, sondern ihn wirken lassen
• Ich darf ablegen, was mich belastet, mir Sorgen macht; aussprechen, was mich schmerzt.

Dienstag, 30.6.2009 – „Inhalt“
Tagesablauf: 8:00 Gemeinsame Morgen-Meditation über Röm 5,5: Die Hoffnung aber stellt uns nicht bloss, ist doch die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben wurde.
8:30 Morgenessen (in Stille)
9:45 Körper-Wahrnehmungsübung (Eutonie)
10:30 Anleitung zur persönlichen Meditation
11:15 Begleitgespräch mit Christoph Stücklin: Ich erzähle, wie ich dran bin, Resignation abzulegen und mich neu von Gottes Liebe erfüllen zu lassen. Verbunden mit Selbsterkenntnis meiner Prägungen und Defizite aus meiner Jugend.
12:15 Mittagessen (Stille)
13:30 Wanderung auf die Alpe di Naccio mit wunderbarer Aussicht auf den Lago Maggiore. Dabei Meditation über Mat 13,44: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der im Acker vergraben war; den fand einer und vergrub ihn wieder. Und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.
Danach Rückwanderung mit Meditation zu Ps 23,5b: Du salbst mein Haupt mit Öl, übervoll ist mein Becher. Ich werde neu dankbar für alles, was mir geschenkt ist: Ehe, Familie, Arbeitsstelle, Haus, Freunde etc. Ich summe das Lied „Werd ich dir folgen, was auch geschieht“, wo es im Refrain heisst: „Du weißt alles, Herr, du weißt dass ich dich liebe; selbst wenn alles fällt, so weiss ich doch, ich bliebe in deiner Liebe.“
Zum Glück bin ich rechtzeitig zurück in Rasa, bevor ein kräftiges Gewitter sich über dem Centovalli entlädt. Wieder in Rasa lese ich das Buch „Glaubensriesen – Seelenzwerge“ (siehe Zusammenfassung weiter unten!) zu Ende.
18:15 Nachtessen (Stille), diesmal im Haus wegen dem Gewitter
20:30 Tagesschluss-Liturgie mit Abendmahl

Mittwoch, 1.7.2009 – „Gefäss“
Morgenmeditation: 1.Kor 3,16: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und dass Gottes Geist in euch wohnt?
Körperwahrnehmung im Liegen und Stehen.
Vormittagsmeditation: Bildmeditation 2.Kor 4,7: Wir haben diesen Schatz aber in irdenen Gefässen, damit die Überfülle der Kraft Gott gehört und nicht von uns stammt. Ich empfinde die Narben und Brüche in meinem ‚irdenen Gefäss‘ und die Spannung/Verkrampfung durch den Versuch, meine Schwächen zu überspielen, ein guter Pfarrer zu sein. Ich lege meine Versuche, ein perfektes ‚Teflon-Gefäss‘ zu sein, ab und sage Ja zu den Brüchen, Verletzungen und Unvollkommenheiten in meiner Lebensgeschichte. Ich muss nicht mehr ‚Gott spielen‘. Die überragende Kraft und alle Ehre gehören ihm. Ich darf loslassen und ganz Mensch sein. Er füllt meinen Mangel aus. Ich erinnere mich zurück, wie ich während meiner Semizeit jeweils an der Orgel „Jesu, meine Freude“ gespielt hatte. Ja, er will wieder meine Freude sein und die Trauergeister müssen weichen! Ich möchte von jetzt an jeden Tag leben mit der Bitte und dem Bewusstsein: „Komm, Heiliger Geist, fülle meinen Mangel aus!“
Nachmittagsmeditation: Röm 9,20-21: O Mensch, wer bist du eigentlich, dass du mit Gott zu rechten wagst? Wird etwa das Werk zum Meister sagen: Warum hast du mich so gemacht? Hat denn der Töpfer nicht Macht über den Ton? Kann er nicht aus dem selben Stoff das eine Gefäss zu einem Gefäss der Ehre, das andere aber zu einem Gefäss der Schande machen?
-> Unendlicher Abstand zwischen Gott und Mensch. Gott kann ehrenvolle und weniger ehrenvolle Gefässe schaffen. Beides braucht es, das edle Porzellan-Geschirr und die WC-Schüssel
Ich steige auf den Pizzo Leone, dabei singe ich das Taizélied „Meine Hoffnung und meine Freude“. Ich merke, wo ich noch Teile meines Erbes (väterlicher- und mütterlicherseits) ablehne und mich dagegen wehre. Ich sage Ja zu meiner Beschaffenheit, auch zu den Brüchen und Unvollkommenheiten.

Donnerstag, 2.7.2009 – „Zerbruch“
Morgenmeditation: Ps 139,14: Ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin; wunderbar sind deine Werke, meine Seele weiss dies wohl.
Vormittag: Jes 42,3: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den verglimmenden Docht löscht er nicht aus, treu trägt er das Recht hinaus. Henry Nouwen: The wounded healer: „Dort wo wir verwundet sind, wo wir gebrochen sind, sind wir aufgebrochen für Gott“.
Danke, Jesus, dass du i all däne Johr es knickte Schilfrohr nöd abbräche loh häsch. „Zünd das Für wider a i mir! “ (Lied) Du lohsch de glimmend Docht nöd usgoh, sondern fachsch es Für wider neu a. I will min Stand wider ineh und Grosses vo Gott erwarte. Aber debi nöd us eigener Chraft use agiere, sondern i allem Gott wirke loh und mini Schwächi und Brocheheit nöd überspile.
Nachmittag: 2.Kor 12,10: Darum freue ich mich über alle Schwachheit, über Misshandlung, Not, Verfolgung und Bedrängnis, um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Freitag, 3.7.2009 – „Fülle“
Die Stille während dieser Woche hat zur Folge, dass wir andere nicht zu beeindrucken brauchen. Die Wahrnehmung für kleine Dinge öffnet und schärft sich. Wir denken oft: Wenn alles andere nichts nützt, dann kann man nur noch beten. Es soll aber umgekehrt sein: 2.Kor 12,9: „Und er hat mir gesagt: Du hast genug an meiner Gnade, denn die Kraft findet ihre Vollendung am Ort der Schwachheit. So rühme ich mich lieber meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir Wohnung nehme.“ Wir dürfen ‚daheim sein in der Gnade‘. Die Gnade Gottes genügt und umfasst alles.
Vormittag: Eph 2,10: Denn sein Gebilde sind wir, geschaffen in Christus Jesus zu einem Leben voller guter Taten, die Gott schon bereitgestellt hat. Es geht um einen Lebensstil, nicht um Einzelaktionen.
Nachmittag: Bildmeditation Joh 2,7: Füllt die Krüge! Das waren immerhin ca. 600 Liter Wasser. Wir sind also beteiligt (Wasser schöpfen), er tut es nicht ohne uns. Wir müssen keine Wunder vollbringen, das tut er.

Bereitgestellt: 09.07.2009      
aktualisiert mit kirchenweb.ch