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Andreas Bänziger

Editorial Mai-Kirchenbote

Schnecke3 (Foto: Andreas Bänziger)

Schnecke3 (Foto: Andreas Bänziger)

Aus dem Schneckenhaus zurück ins Leben
Dora Wilhelm,
„Lass dich trösten, lass dich senden mit der Siegesbotschaft vom Leben! Denn siehe, ich lebe, ich bin auferstanden und habe den Tod besiegt!“ nach Johannes 20.15

Liebe Mitchristen

„Der Rückzug ins Schneckenhaus“ ist Ihnen vielleicht als Redensart bekannt oder sogar als persönliche Erfahrung vertraut.

„Nimm’s doch nicht so schwer! Du musst dir eben eine dickere Haut zulegen!“ Kennen Sie diese wohlmeinenden Worte, die nichts verändern?

Die Schutzsuchenden, die Eingeschüchterten und die von den hereinbrechenden Stürmen in der Lebensgeschichte Gelähmten gelten oft vorschnell als lebensuntüchtig - manchmal mit einem abwertenden Unterton.

Die Schöpfung führt uns mit der Schnecke den Rückzug als gesunde Reaktion vor Augen - als heilsame Zuflucht und Hilfe, um dem Leben zugewandt bleiben zu können und für die Osterbotschaft des Auferstandenen ansprechbar zu werden, wenn die Zeit reif ist.

Ich muss nicht immer stark sein. Ich darf mich zurückziehen, wenn mir alles zuviel wird; wohlwollend meinem Sicherheitsbedürfnis Raum geben und lästigen, verständnislosen Eindringlingen den Zugang verwehren! Mit dieser hilfreichen Selbstbegrenzung übernehme ich Verantwortung für mich selber.

Welches ist Ihr bevorzugter Ort, wo Sie Geborgenheit und Ruhe finden für Ihre aufgewühlte Seele?

Wenn das Dunkel der Sinnlosigkeit, der Resignation als Lebensbedrohung spürbar wird, ist es an der Zeit, die Fühler auszustrecken und nach dem Lebensnotwendigen Ausschau zu halten.

Da sind Mitmenschen - da ist Gottes Sohn:
„Lass dich trösten!“

Für Jesus steht seine Rückkehr zum himmlischen Vater, der Abschied von seinen Menschen, kurz bevor. Es bleibt nur noch wenig Zeit. Jesus nutzt sie zu seelsorglichem Wirken. Seine Zuwendung erreicht die JüngerInnen.
So kann sie sich zeigen: ein paar Schritte begleitet werden, sich berühren lassen, getröstet werden, Segen empfangen, Frieden zugesprochen erhalten, aufgerufen, eingeladen werden zum Aufbrechen. „Du darfst am Ende sein! Ich will das mit dir durchstehen – dich halten, dich leiten – Schritte nach innen und nach aussen mit dir gehen!“

„Lass dich senden mit der Siegesbotschaft vom Leben!“
Der Anbruch von etwas Neuem - in den Blick bekommen, wofür es sich zu Leben lohnt.
Eine Umgestaltung geschieht aus der Hilflosigkeit, der lähmenden und schmerzvollen Ernüchterung, hin zu neuer Hoffnung und erwachender Lebensfreude. Zeichenhaft verstärkt können die Jünger die Gegenwart ihres auferstandenen Herrn sehen und ihn vor seinem Abschied neu erleben und erkennen, um gewiss zu werden, dass er lebt.

„Denn siehe, ich lebe, ich bin auferstanden und habe den Tod besiegt!“
Bereitgestellt: 21.04.2006      
aktualisiert mit kirchenweb.ch