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Andreas Bänziger

Editorial November-Kirchenbote

Taizé (Foto: Andreas Bänziger)

Taizé (Foto: Andreas Bänziger)

Sich der Nacht stellen.
Der Novembermonat liegt vielen Menschen
schwer auf. Die Tage werden
zunehmend kürzer, die Nächte spürbar
länger. Nebelschwaden machen sich breit.
Pfr. Christoph Naegeli,
Nacht ist es auch in vielen Herzen: Viele erinnern sich in diesen Tagen häufiger als das Jahr hindurch an ihre Verstorbenen. Heimweh wird spürbar. Alte Wunden brechen auf. Auch die Kirchen gedenken ihrer nicht ohne Grund ebenfalls
im November, an Allerheiligen zu Beginn des Monats, am Ewigkeitssonntag eine Woche vor dem ersten Advent.

Wo erfahren wir unsere persönliche Nacht am stärksten, liebe Leserin, lieber Leser? Wo sieht es finster aus in uns?
Und was machen wir mit der Nachtseite unseres Lebens? Können wir sie zulassen?

Denn die einen sind im Dunkeln.
Und die anderen sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte.
Die im Dunkeln sieht man nicht.
Bert Brecht


In einer der längsten Nächte feiern wir sodann Weih-nacht. «Stille Nacht, heilige Nacht». «Die heiligste der Nächte». Immer wieder ist in den Weihnachtsliedern
die Rede von Dunkel und Nacht.

Doch eigenartig: Dunkel und Nacht stehen nicht nur am Anfang, sondern auch am Schluss des Evangeliums: «In der Nacht, da er veerraten wurde, nahm er das Brot, dankte, brach es und gab es
seinen Jüngern...» Auch das Abendmahl hat also seinen Ursprung in einer Nacht. Und es ist, als ob diese beiden Nächte
einer grossen Klammer gleich auch unser Leben einrahmen.So wie wir zunächst im Dunkel des Mutterschosses herangereift sind und schliesslich noch einmal durch einen dunklen Geburtskanal, nämlich durch die Nacht des Todes hindurch müssen, so stand auch damals am Anfang und am Schluss die Nacht. – Ob wir un der
Nacht stellen? Oder ob wir ständig fliehen von Party zu Party, von Event zu Event?

Am Sonntag, dem 9. November, sind wir auf 19 Uhr eingeladen in die nur schwach erleuchtete Stadtkirche. Die Stille wird an diesem Abend einen grossen Raum einnehmen. Brüder aus Taizé
werden anwesend sein. «Nacht der Lichter» sagen wir – es gibt sie seit einiger Zeit regelmässig in vielen Städten. (Mehr Infos -> Klicken Sie hier)

Lassen wir die Nacht zu. Aber erfahren wir ebenso: Das letzte Wort hat sie nicht.
Christoph Naegeli, Pfarrer
Bereitgestellt: 01.11.2008      
aktualisiert mit kirchenweb.ch