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Andreas Bänziger

Editorial März-Kirchenbote

Kreuz (Foto: Andreas Bänziger)

Kreuz (Foto: Andreas Bänziger)

«Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!»
Pfrn. Barbara Keller,
In diesen Worten zeigt sich die ganze menschliche Grösse von Jesus. - Den Unwissenden kann man zwar nicht vorwerfen, dass sie falsch handeln. Die Wissenden und Sehenden hingegen, diejenigen, die erkennen und doch nicht wahr haben wollen, diese Wissenden und Sehenden, diese Glaubenden und Liebenden, bedürfen der ganzen Vergebung Gottes. Denn sie sind sich ihres Handelns bewusst wie die Schriftgelehrten und Pharisäer zur Zeit Jesu. „«Vater, vergib ihnen... !» Mit diesem grossen, menschlichen Wort vergibt Jesus den Menschen ihre Schwäche und bittet für sie um Vergebung.

Das Leid ist aus unserem Leben nicht wegzudenken. Jeder Mensch muss immer wieder die Dunkelheit, die Tiefe seines Seins erfahren, muss klagen und hadern können und den Sinn dieses Leidens hinterfragen dürfen. Auch Jesus ruft im Augenblick höchster Not: «Mein, Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Mit diesen Worten aus dem Psalm 22 weist er jedoch weiter: auf die Situation eines Menschen, die zwar in höchster Not beginnt, aber in der Gewissheit endet, dass Gott uns heilt, immer wieder. Diese Worte sind das göttliche Testament von Jesus.

Ich bin froh, dass Jesus diese Worte gesprochen hat. Denn er sagt mir damit: Ich darf auch trauern, darf traurig sein, darf mich auch einmal gehen lassen, darf Gott um Hilfe anrufen; ja darf sogar klagen. Aber ich soll vor allem mutig mein Kreuz tragen, das mir auferlegt worden ist. Denn das Leiden gehört zu unserem Menschsein. Und das sagt uns Jesus auch: Jeder Mensch soll dorthin schauen, wohin er uns mit seinen Worten weist: auf Gott hin. Denn Gott allein wird uns einmal trösten. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen.

Karfreitag ist also nicht nur ein Gedanke, ein trauriges Fest. -
Karfreitag findet immer wieder seinen Platz in unserem Leben.
Denn:
Karfreitag ist die tiefste Tiefe unseres menschlichen Leidens.
Aber :
Karfreitag ist auch der Beginn der Auferstehung.

Dass uns allen ein Strahl des Lichtes der Auferstehung entgegenleuchte, das wünsche ich uns allen.
Pfarrerin Barbara Keller

Rostiger Jesus
am Kreuz
hängend
der Menschensohn
gestorben
doch lebendig
wartet mit Sehnsucht
auf Menschen
die ihn annehmen
so wie er ist
einfach
und menschlich
als Bruder

manchmal hat er
Angst vor
Theologen
die ihn einkerkern
in Dogmen
in unverständliche Theorien

oft fühlt er sich
allein und verlassen
weil ihn nur einige
verstehen wollen

die ihn zu lieben scheinen
spüren nicht
dass
er Nähe
Wärme braucht ...

... so bleibt er
noch immer draussen
vergessen
vom Rost gefressen!
Dénes Kovacs
Bereitgestellt: 01.03.2008      
aktualisiert mit kirchenweb.ch