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Andreas Bänziger

Editorial April-Kirchenbote

Kreuzigung<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-frauenfeld.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>63</div><div class='bid' style='display:none;'>53</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Kreuzigung

Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein
(Luk 23,43)
Pfr. Hansruedi Vetsch,
Liebe Gemeindeglieder
Karfreitag war einst der höchste Feiertag der evangelischen Christen. In einem ernsten und würdigen Gottesdienst zu dem Mann und Frau nüchtern ohne Frühstück kam. Das Abendmahl, dass an diesem Gottesdienst gefeiert wurde, war besonders festlich, denn zum ersten Mal durften auch die Jüngsten, die Konfirmandinnen und Konfirmanden dabei sein, die kurze Zeit davor, am Palmsonntag konfirmiert wurden. Mittags dann gab es Fisch. Karfreitag war ein stiller Tag des Gedenkens an das, was Jesus Christus für uns erlitten hat.
Ein solcher Tag scheint nicht in unsere Unterhaltungsgesellschaft zu passen. Und so wird verständlich, dass es Kreise gibt, die auch diesen hohen Feiertag abschaffen wollen.
Ja, der Karfreitag löst in weiten Teilen der Gesellschaft nur noch Kopfschütteln aus. Leiden, Aufopferung, Demut, Hingabe, Enthaltsamkeit sind nur einige Stichworte zu Karfreitag, die auch unter uns Christen immer schwieriger zu verstehen sind. Verstehen wir uns Christen nicht lieber als Sieger, als Erlöste, als Auserwählte? Mit dieser Frage möchte ich niemanden anprangern oder verletzen.
Zeit also, Karfreitag etwas näher zu betrachten, wie dies die Restaurateurin in der Kirche in Landshut, nördlich von München tut. Dort steht mit 8 Meter Gesamtlänge eines der grössten gotischen Chorbogenkreuze. Mit dem Mikroskop untersucht sie das Kreuz und prüft, wie gut erhalten es noch ist.
Wenn wir so nah dran sind, dann offenbart sich uns die ganze Dimension des Karfreitags. Hier starb einer nicht für sich alleine, sondern für uns alle: Jesus, der von nun an auch Christus genannt wird. Erst wenn wir uns so nah an das Kreuz von Karfreitag wagen, werden auch die feinen Details ersichtlich. Da sind links und rechts neben Jesus noch zwei andere gekreuzigt worden, vermutlich Schwerverbrecher. Auch sie sind ganz nah dran und einer erkennt: Hier stirbt Gottes Sohn, auch für mich. Er bittet Jesus für ihn im Reich Gottes einzustehen und darauf antwortet Jesus: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43). Genau das ist Karfreitag: Busse und Sündenvergebung.
Wagen wir es doch wieder, einmal ganz nah an das Kreuz Jesu Christi zu gehen.
Schlagen Sie die Bibel auf und lesen Sie eine der Karfreitagsgeschichten. Sie sind auch für Sie geschrieben worden. Karfreitag birgt in sich auch nach 2000 Jahren eine enorme Kraft der Versöhnung, mit sich selber, mit unseren Nächsten und mit Gott. Wer diese Versöhnung erfahren hat, der merkt, dass das Paradies, von dem Jesus spricht, auch auf Erden sein kann.
Diese Versöhnung wird im Gottesdienst beim Abendmahl im wahrsten Sinne des Wortes „erfahrbar“, auch am Karfreitag. Dazu möchte ich Sie ganz herzlich einladen.
Gott segne Sie.
Pfr. Hansruedi Vetsch
Bereitgestellt: 14.03.2006      
aktualisiert mit kirchenweb.ch