Facebook

Andreas Bänziger

Editorial November-Kirchenbote

Werden und Vergehen (Foto: Andreas Bänziger)

Werden und Vergehen (Foto: Andreas Bänziger)

Werden und Vergehen
Hans Stettler,
Aufkommender Nebel und welkende Blätter, die von den Bäumen und Sträuchern fallen, zeigen uns den Herbst an, erinnern uns aber auch an die Vergänglichkeit allen Lebens, auch unseres eigenen. Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir im Garten und auf den Feldern herrliche reife Früchte ernten können oder solche auf dem Markt bewundern und kaufen. Ist uns klar, dass das Reifen der Früchte mit dem Verwelken der Pflanzen zusammen geht? Noch nie habe ich einen Baum oder einen Strauch gesehen, der Früchte trägt und dabei aufblüht. Wenn wir das bei den Pflanzen auch als naturgegeben akzeptieren, können wir in unserem eigenen Leben doch nicht gut dazu ja sagen. Ob im Herbst unseres Lebens auch Früchte reifen, die anderen Menschen dienen und an denen Gott seine Freude haben kann?
Ich habe in diesem Jahr persönlich erfahren, wie nahe Werden und Vergehen, Sterben und Leben beisammen sind. Der Tod meines Vaters und die Geburt unserer ersten Enkelin lagen nur wenige Wochen auseinander, und beides haben wir gerade deshalb besonders intensiv erlebt. Trauer und Freude, beides gehört zum Leben eines jeden von uns. Schon früh habe ich einen Hinweis dafür bekommen, lagen doch das Sterben meines Grossvaters und die Geburt meiner zweitjüngsten Schwester nur Tage auseinander, und beides geschah im Haus, in dem wir wohnten.

Ich bin immer beeindruckt, wenn ich im Religionsunterricht merke, wie für fast alle Jugendlichen der Glaube an ein Leben nach dem Tod oder wenigstens eine Hoffnung darauf wichtig sind. Und in manchen Todesanzeigen spüren wir, wie Angehörige auf ein Wiedersehen hoffen. Dieser Glaube, diese Hoffnung kann zu einer Quelle der Kraft werden. Das Wort Jesu: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten“ (Hoffnung für alle) ist für viele in einem solchen Moment ein echter Trost, nicht nur ein Strohhalm.

Nun hängen wir Menschen aber sehr am Leben, an unseren Lieben, an Liebgewordenem. Der Gedanke, das alles loslassen zu müssen, schmerzt und fordert manchmal sogar unseren Widerstand heraus. Wir dürfen unser Leben lieben mit allem, was uns Gott darin schenkt. Wenn es uns aber gelingt, es als Geschenk, als etwas Anvertrautes zu sehen und den nicht aus den Augen zu verlieren, von dem es kommt, müssen wir nicht ganz und gar verzweifeln, wenn es zu Ende geht oder wenn wir von einem lieben Menschen Abschied nehmen müssen. So ist die Feier im Gedenken an unsere Verstorbenen am Ewigkeitssonntag eine Möglichkeit, Hoffnung und Mut für das eigene Leben in Gemeinschaft mit anderen zu finden, die Ähnliches erlebt haben.

Bereitgestellt: 14.11.2007      
aktualisiert mit kirchenweb.ch