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Andreas Bänziger

Editorial August-Kirchenbote

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Schweizerkreuz

Das Schweizerkreuz
Pfr. Ernst Gysel,
Am 1.August, unserem Nationalfeiertag, sind vielerorts wieder die Fahnen unseres Landes zu sehen. Das weisse Kreuz im roten Feld, das Zeichen unseres Landes, hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Man findet es nicht mehr bloss auf Fahnen und Schweizer Sackmessern, sondern auch auf T-Shirts, auf Umhängetaschen, auf Kugelschreibern und auf unzähligen anderen Gegenständen. Sogar auf den Flugzeugen der berühmten Patrouille Suisse prangen die weissen Schweizerkreuze auf rotem Grund. Woran liegt es, dass das Schweizerkreuz so populär ist? Liegt es daran, dass die Werbebranche gemerkt hat, dass sich Produkte mit dem Schweizerkreuz besser verkaufen lassen? Oder ist es in einer Zeit zunehmender Verunsicherung Zeichen einer Rückbesinnung auf traditionelle Werte? Ist es ein Indiz dafür, dass die Schweizer auf der Suche sind nach ihrer nationalen Identität?

Wie dem auch sei, das Schweizerkreuz hat eine unvermindert starke Aussagekraft. Unsere Vorfahren haben es wohl mit Bedacht zum Wahrzeichen unseres Landes gemacht. Das weisse Kreuz auf rotem Grund erinnert, ob man es sehen will oder nicht, an das Kreuz Jesu Christi. Es erinnert an ein Geschehen, das sehr anstössig und zugleich sehr ermutigend ist. Es erinnert daran, dass wir Menschen Gott unbedingt loswerden wollten und dass sich Gott trotzdem nicht von uns zurückgezogen hat. Er hat allen Widerstand ertragen und uns Menschen am Kreuz mit sich versöhnt. Das weisse Kreuz auf rotem Grund ist also ein Zeichen der Versöhnung und der Hoffnung.

Das Schweizerkreuz sagt uns: Auch wir, die Bewohner der heutigen Schweiz, werden Gott nicht los. Wir haben ihn zwar weitgehend aus unserem Leben verbannt und ihn in die Kirche oder in ein paar religiöse Bezirke zurückgedrängt. In der Politik, in der Wirtschaft und auch im Alltagsleben rechnen wir, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr mit ihm. Wir rechnen nur mit unseren menschlichen Möglichkeiten und Ressourcen. Trotzdem hat sich Gott nicht zurückgezogen. Er bleibt auch in unserem Land auf dem Plan. Er klopft immer wieder an und meldet sich zurück. Er erschüttert Dinge, die fest und solide schienen. Er lässt uns da und dort in Sackgassen geraten. Er durchkreuzt unsere Pläne. Er tut es, damit wir wieder nach ihm fragen und vom Kreuz her neue Hoffnung finden. So erinnert uns das Schweizerkreuz daran, dass wir als Land wie als Einzelne trotz allem menschlichen Versagen eine Hoffnung und eine Zukunft haben.

Das Schweizerkreuz ist auch ein Zeichen der Versöhnung. Für ein Land wie die Schweiz, in dem sehr verschiedene Bevölkerungsgruppen leben, und in dem die Spannungen und Konflikte zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten zunehmen, ist das von grosser Bedeutung. Unter dem Zeichen des Kreuzes können nämlich verschiedene Volks- und Sprachgruppen, verschiedene Stände, Berufe und Charaktere im Frieden zusammenleben. Die Geschichte unseres Landes mit seinen verschiedenen Sprach- und Volksgruppen ist ein Beispiel dafür. Unter dem Zeichen des Kreuzes bleiben Frieden, Versöhnung und Solidarität nicht bloss ein Postulat, sondern sie werden zu einer Chance, die gelebt werden kann.

Mit freundlichem Gruss Pfarrer Ernst Gysel
Bereitgestellt: 30.07.2007      
aktualisiert mit kirchenweb.ch