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Hansruedi Vetsch

Begegnung mit Schwester Karoline

ChileReise-14Tag-Do-101116_232<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-frauenfeld.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1291</div><div class='bid' style='display:none;'>9004</div><div class='usr' style='display:none;'>24</div>

Die Chile Reise Gruppe hat 2016 das grossartige und riesige Hilfswerk von Schwester Karoline „Cristo Vive“ im Armenviertel von Santiago de Chile besucht. Der herzliche Empfang der Gründerin Schwester Karoline und die wunderbare Arbeit hat die Gruppe nachhaltig bewegt. Über Pfingsten kommt Schwester Karoline in die Schweiz und wir freuen uns, dass sie bei uns im Gottesdienst zu Besuch ist und mit ihrem unbändigen Glaube auch uns anstecken kann. Nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit zu einem Treffen mit ihr und anschliessendem Mittagessen. Für das Mittagessen ist eine Anmeldung erforderlich: Tel 052 723 22 44 / hansruedi.vetsch@evang-frauenfeld.ch
Pfingstmontag, 10. Juni um 10 Uhr Stadtkirche
Hansruedi Vetsch,
Karoline Mayer kam 1968 als katholische Missionsschwester aus Deutschland nach Chile und hat in all den Jahren ein riesiges Hilfswerk aufgebaut, das heute Fondación Cristo Vive – Stiftung Jesus lebt heisst. Es sind dies heute Gesundheitszentren, Berufsschulen, Kindergärten und Kinderkrippen, Rehabilitationszentren für Drogenabhängige und Herbergen für Obdachlose in mehreren Armenvierteln von Santiago de Chile.


Die Stiftung Cristo Vive beschäftigt heute 450 Angestellte und hat 70 freiwillige Mitarbeitende. Dazu kommen jährlich 25 junge Freiwillige aus Deutschland, die ein Sozialjahr leisten.

Mittlerweile werden 90% der Ausgaben durch staatliche Programme von Chile finanziert. Was sich jetzt so einfach anhört, ist ein enormer administrativer Aufwand, diese Programme immer wieder neu bewilligt und finanziert zu bekommen. Karoline Meyer nennt das «proyectitis». Das fehlende Geld wird durch Spenden gedeckt, auch aus den Freundeskreisen in Deutschland und der Schweiz

In Chile gibt es keine Berufslehre. Die allermeisten SchülerInnen schliessen mit der Mittelschule ab. Doch nicht alle schaffen den Anschluss an die Universität. Rund ein Viertel der Schulabgänger, so schätzt Karoline Mayer, hat keine Berufsausbildung und ist von der Armut betroffen. Bei Cristo Vive können diejenigen, die nachweislich von derArmut betroffen sind, eine Ausbildung als Schweisser, Elektriker, Gas-Wasser-Installateur, Automechaniker oder –lackierer machen, oder an Kurse für Gastronomie oder Krankenpflege teilnehmen.


In den ärmeren Vierteln Recoleta, Renca, La Pintana, Independencia, Conchalí und Huechuraba werden in 8 Kindergärten über 800 Kinder betreutIn den ärmeren Vierteln Recoleta, Renca, La Pintana, Independencia, Conchalí und Huechuraba werden in 8 Kindergärten über 800 Kinder betreut, die gratis eine warme Mahlzeit bekommen. Zudem gibt es zwei Rehabilitationszentren mit 135 Jugendliche und Erwachsene mit Suchtproblemen, eine Herberge für Obdachlose, in der die Bewohner auf ihre soziale Reintegration vorbereitet werden.


Die Armut wird in Chile verdeckt. Für Touristen ist sie kaum sichtbar. Doch nur schon einige Häuserblocks von den Touristenzentren entfernt leben Menschen in äusserster Armut. Renten von 120’000 Pesos pro Monat, das sind 180 Fr., sind keine Seltenheit. Schwester Karoline erzählt, dass ein Mann zu ihr kam, der eine Rente von 120.000 Pesos hat. Seine Frau hat Brustkrebs und er selbst Prostatakrebs. Die Medikamente für die Frau kosten 30.000 Pesos im Monat, die für den Mann 36.000 Pesos. Beide Medikamente können sie sich unmöglich leisten. So hat der Mann sich für die Medikamente seiner Frau entschieden. Er möchte, dass sie lebt.


(Bild: Werbung für einen Kredit von rund 8000 Fr., für „nur“ monatlich 225 Fr., mit total rund 3300 Fr. Zinsen)

Ein grosses Problem ist auch die Verschuldung, weil man in Chile alles auf Kredit kaufen kann. Schwester Karonline nennt ein Beispiel: „Wir haben eine Mitarbeiterin, die 500.000 Pesos im Monat verdient. Sie bekommt aber nur 200.000 ausbezahlt, weil der Rest Schulden bei Banken und Einzelhandelsgeschäften sind. Wir haben mit ihr einen Plan zur Schuldentilgung gemacht, so dass sie 4,2 Millionen Pesos bezahlen kann. Davon sind bestimmt 1,8 Millionen (rund 3000 Fr.) nur Zinsen.“

Ich habe Schwester Karoline gefragt, was ihr Kraft gibt ,diese Lebensumstände über all die Jahre auszuhalten. Sie lacht und sagt: „Es ist ganz einfach: Ich frage mich immer wieder: Für was kann ich dankbar sein? Wenn ich nichts habe, wenn so viele Probleme da sind und wenn die Menschen um mich herum so viel Leid ertragen müssen, bei all dem frage ich mich: Für was kann ich dankbar sein? Und wenn ich dann etwas auch noch so Kleines entdeckt habe, für das ich dankbar sein kann, dann kommt die Freude ganz automatisch. Dankbarkeit und Freude sind ein Paar, das eine bringt das andere mit sich. Eine solche Haltung hat man nicht automatisch, ich muss sie mir jeden Tag wieder neu einüben.“


Liebevolle Gebote für ein erfülltes Leben, heisst eines ihrer Bücher, die Angela Krumpen mit ihr geschrieben hat. Das Buch ist vergriffen, erhältlich ist aber noch das wunderbar anzuhörende Hörbuch, auf dem Karoline Mayer selber spricht. Im Buch erzählt Karoline Mayer immer wieder kleine Beispiele aus ihrem Alltag, die ermuntern, selber den Alltag in Liebe zu gestalten.

Auf die Frage, was ihr angesichts der grossen sozialen Probleme in Chile Mut gegeben hat ihre Arbeit zu tun: Sie sagt: „Viele denken, dass es mit dieser Welt und mit der Gesellschaft immer schlimmer wird. Was kann ich da noch ausrichten? Wenn ich etwas tue, dann ist doch das nur der bekannte Tropfen auf den heissen Stein. Eine solche Einstellung lähmt und verhindert, dass wir die Probleme aktiv und kreativ anpacken. Aber bei Gott ist viel mehr möglich, als wir uns vorstellen können. Wenn all die Liebe, die in den menschlichen Herzen verschüttet ist, zusammenfliessen würde, dann könnten wir die Welt verändern. Da bin ich sicher, weil ich das selber erlebt habe.“

„Jeder trägt einen Traum im Herzen.“ So heisst der Titel des neusten Buches von Karoline Meyer. Aber wie können wir diesen Traum überhaupt entdecken? Und wenn wir den Traum entdecken, wie können wir diesen auch in unserem Alltag leben? Dazu fehlt uns oft der Mut und die Kraft. Schwester Karoline: „Dabei ist die Kraft, die wir suchen, in uns allen und zu jeder Zeit schon da. Wir spüren sie, wenn wir von der Sinnhaftigkeit unseres Tuns überzeugt sind, wenn wir unsere Träume leben. Diese Träume können uns und unsere Welt verändern. Wir müssen nur lernen, daran zu glauben.“

Als Schwester Karoline das alles so liebevoll und enthusiastisch erzählt, bemerke ich das grosse Jesus Kreuz, das sie als Kette trägt und denke mir: Der Name der Stiftung, den sie gewählt hat passt wirklich: Cristo Vive – Jesus lebt – durch Schwester Karoline. Durch sie, durch all die Menschen die sich von der Nächstenliebe getragen wissen, lebt Jesus Christus in dieser Welt und in den Armenvierteln von Chile.
Bereitgestellt: 04.06.2019      
aktualisiert mit kirchenweb.ch