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Marcel Keller

Zweimonatsbild Oktober/November 2018

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Winter, Holzschnitt
épreuve d’artiste

Heinz Keller, Holzschneider und Maler (*1928)


Wolfgang Ackerknecht,
Erinnern Sie sich an das letzte Zweimonatsbild mit ‚Hiob und seine Freunde?
Im Holzschnitt von Künstler Heinz Keller war vorne links ein Mann, der in Haltung und Aussehen mit dieser Person auf dem jetzigen Bild identisch ist. Steckt Absicht dahinter?
Im Winterbild ist die aufziehende Kälte spürbar, denn der Tag neigt sich zu Ende, dunkle Wolken ziehen vor der untergehenden Sonne auf, die lang-sam am Horizont verschwindet. Der schon etwas ältere Mann stützt sei-nen Kopf auf den Stab und blickt nachdenklich in die Weite. Hatte er am heutigen Tag eine besondere Erfahrung gemacht? Oder ist er besorgt über die kommenden Wochen und Monate?
Die Schweine sind als Gruppe versammelt und scheinen beschäftigt zu sein, auch wenn das Futterangebot angesichts der Schneedecke knapp ausfällt. Vielleicht kamen sie erst kürzlich aus dem Stall und sind am Schnüffeln wo es sich wohl lohnen wird, nach Nahrung zu graben. Beim Anblick der Schweine empfindet der Betrachtende eine Freiheit, denn die Tiere sind nicht eingezäunt. Und doch scheinen sie in einem geborgenen Raum zu sein – abgegrenzt vom Bach und vom Hirten.
Mir ist beim Betrachten des Bildes aber auch der jüngere Sohn aus dem Gleichnis im Sinn, der das Weite gesucht hat um die Welt zu entdecken. Nun friert er draussen bei den Schweinen, hungert und kann sich knapp mit deren Futter am Leben erhalten. Eine Situation des Elends und der Verzweiflung, das Lebensnotwendige missen zu müssen. Dazu kommt die Tatsache, dass für den jungen Mann als Jude Schweine unreine Tiere sind. Er muss völlig unten durch.
Winterzeit. Sie hat ihre schönen, aber auch schwierigen Seiten. Die Grenzen verringern sich, vielleicht sind sie gerade der Grund, dass wir uns über diese Jahreszeit freuen. Nutzen wir sie, um über ‚Verpasstes‘ oder ‚Bevor-stehendes‘ nachzudenken. Und halten wir unser Haus und Herz für Menschen offen, die Nahrung und Wärme brauchen.

Für die Kunstkommission: W. Ackerknecht
Bereitgestellt: 01.10.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch